Groupies, Alk und wilde Partys: City Light Thief leben unseren Traum vom Leben auf der Straße. Wir meinen natürlich nicht das mittellose Leben unter einer baufälligen Bahnbrücke, sondern das illustre Umherreisen in fast verkehrstauglichen Vehiklen zu Bespaßungsabenden von volltrunkenen Pädagogikstundenten und -Innen. Liebe Erstsemester, dies ist kein Interview, dies ist „Tour de Force“…

 

 

 Was nervt auf Tour am meisten?

Auf dem Level, auf dem City Light Thief touren, nervt eigentlich gar nichts. Dass wir mehrere Tage am Stück zusammenhängend Konzerte spielen, kommt leider so selten vor, dass man sich einfach riesig freut, wenn man mal wieder die Gelegenheit dazu hat. Allerdings ist es immer schade, dass man beim Touren so wenig Zeit für andere Sachen außer dem Konzertspielen hat. Meist kommt man nur dazu, einen Umkreis von 200m um den Club zu erkunden, bevor irgendein Programmpunkt ansteht.

 

Und was ist richtig geil?

Touren ist etwas verdammt romantisches, dass man sich wirklich fast gar nicht vorstellen kann, wenn man es noch nie gemacht hat. Man fährt mit Freunden durch das Land um das zu machen, was sonst nur im schimmligen Proberaum existiert, man lernt viele neue Leute kennen, kommt an neue Orte, im Idealfall begeistert man sogar Leute von dem, was man macht. Es klingt komisch, aber es ist ein Riesenkick nach einem schönen Konzert nachts noch besoffen 250km zum Pennplatz zu fahren, weil man da irgendwie nur wegen seiner Lieder ist. Der Fahrer ist natürlich aber immer stocknüchtern! [Anzeige ist raus!]

 

Darum gehen mir meine Bandmates manchmal auf den Sack

Ich persönlich gehe der Band am meisten damit auf den Sack, dass ich – gerade bei den Nachtfahrten, wo dann auch schonmal Bier involviert ist – immer oft pissen muss, und an jeder zweiten Tankstelle Bier nachkaufen will. Robert nervt mit dem Rauchen, denn er ist der einzige bei uns, der raucht. Ansonsten gibt es das Phänomen der „absoluten Tour-Dummheit“, die bei uns in der Band nicht erst nach Tagen auf Tour, sondern schon nach gut 150km am ersten Tag einsetzt. Man lacht über vollkommen unlustigen Scheiß, macht unvorstellbare blöde Wortwitze, schmeißt geknüllte Schoko-Bon-Papierchen durch den Bus, irgendein Bandmitglied holt irgendwelche Körperteile raus, die sonst nicht sichtbar sind. Man hört ironisch blöde Rap-Musik und findet es in dem Moment das Beste aller Zeiten. Das ist herrlich, ich sag’s dir. Damit nervt sich jeder in der Band gegenseitig, und am Ende hat man sich trotzdem ein bisschen lieber als vorher.

 

Aber darum kann ich einfach nicht ohne sie:

Genau durch diese Tour-Dummheit entstehen halt einfach die schönsten Momente auch. Schon nach kurzer Zeit gibt es dümmliche Band-Insider, die sich noch Jahre halten.  Wie bei uns zum Beispiel das „Tour-Ei“. Ein eingeschweißtes, halbes gekochtes Ei, dass mal in irgendeinem Supermarkt-Salat dabei war. Damit sind wir ungelogen 5 Jahre durchs Land gefahren und immer lag das halbe Ei vorne am Amaturenbrett und hat uns belustigt. Verfärbt hat es sich übrigens erst nach circa 2 Jahren, gen Ende seines Lebenszyklus war es dann sehr dunkelbraun. Leider ist das Tour-Ei bei Tobis Umzug verloren gegangen. Seine Bekanntschaft hätte ich ohne meine Band nie gemacht.

 

Was vermisst du am meisten, wenn ihr unterwegs seid?

Ganz kitschig, aber ganz wahr: seitdem ich Vater bin, vermisse ich meine Tochter wahnsinnig auf Tour. Natürlich bekommt man zwischendurch immer Bilder und Videos geschickt, aber das reicht halt irgendwie nicht.

 

Wäre ich ein Groupie: wie könnt ich dich am besten rumkriegen?

Unsere Band ist mega unsexy, zumindest in meiner Wahrnehmung. Außerdem tragen zwei von uns Eheringe und alle sind vergeben, und scheinbar strahlen wir das aus. Richtig wild, zwischenmenschlich gesehen, wurde es echt erst selten. Die besten Chancen hätte man sicherlich mit Charme und gutem Rotwein, aber dafür ist ja eh nie Zeit. Sorry Boys und Girls.

 

Beschreibe uns doch mal den schlimmsten Backstage-Raum, den ihr je gesehen habt:

Wir haben das ganz ganz große Glück, schon wirklich lange nicht mehr in einem Laden mit einem furchtbaren Backstage-Traum zu spielen. Manchmal gibt’s Läden ganz ohne Backstage, das ist leider oft wirklich ganz arg unpraktisch. Ich kann mich echt an keinen Raum mehr erinnern, wo es geschimmelt hat oder so. Obwohl es das sicher auch mal gab, aber vor vielen Jahren.  Negativ in Erinnerung geblieben ist mir aber ein Konzert in Hattingen, da war der Backstageraum ein lebloser, grauer, mit Hass eingerichteter Jugendzentraums-Raum ohne auch nur Irgendetwas, das im Ansatz Gemütlichkeit ausstrahlt. Als Catering gab es kalte Würstchen mit Brötchen. Aber auch Senf. Unser Catering war damit also Brötchen mit Senf. Gut, dass wir alle Senf lieben.

 

Wenn ihr schon richtig groß wärt: was stünde auf eurem „Traum“-Tourrider?

Eine richtig gute Flasche Rotwein!

 

Euer Geheim-Rezept gegen schlimmen Tour-Kater?

Keine echten Geheimnisse, aber: nachts nicht mehr allzu viel essen! Große Flasche Wasser vorm Pennen, zwei Paracetamol (mit soviel Wumms wie möglich), morgens auf jeden Fall duschen. Wenn die Zeit es zulässt, noch ins Schwimmbad fahren – am besten in ein „Spaßbad“. Danach fühlt man sich wie neu geboren.

 

Warum muss man euch unbedingt mal LIVE sehen?

Ich habe das Gefühl, dass wir inzwischen echt ganz gut über eine längere Zeit einfach unterhaltsam sein können. Und das finde ich für unsere Art Musik gar nicht mal so selbstverständlich. Wir versuchen es immer so zu machen, das man sich ein bisschen abgeholt fühlt, und wir verstellen uns nicht. Wir versuchen wir selbst zu sein, machen keine großen Ansprachen zur Lage der Nation, übertriebene Mitmach-Passagen oder andere unangenehme Dinge, die sich manche Bands angeeignet haben. 1-2 gute Songs haben wir auch!

 

Und jetzt: Deine schlimmste Tour-Erfahrung, ever

Wir haben sau viel Glück gehabt in den letzten Jahren, und fast keinen Totalausfall gehabt.
Für mich war unsere schlimmste Show seit Ewigkeiten, die mit Seahaven im Tsunami in Köln. Es war zwar ausverkauft, und viele Freunde da, aber schon nach wenigen Takten kam aus meinem Hals nur noch Gekrächze. Ich hatte schlechte Laune, die Bühne war viel zu klein für uns (weil wir sechs Leute sind…), alles war scheiße. Da habe ich mich richtig geärgert, denn ich hab – obwohl wir nur eine Part-Time-After-Work-Band sind – einen riesig hohen Anspruch an unsere, wie man so schön sagt, Performance. Auch scheiße war es , als wir mal gemeinsam mit The Hirsch Effekt und einer anderen Band in Mönchengladbach vor zwei zahlenden Gästen gespielt haben – von denen auch nur eine (Hallo Christina!) Bock hatte. Naja, immerhin hat der Veranstalter nachher dem Wirt aus der Getränkekasse die Gage für uns geklaut, hahahaha. [Anzeige ist raus!]

 

Alles wahr? Hier kann man sich davon überzeugen:

18.10. Berlin, Cassiopeia (+ This April Scenery)

20.10. Halle, VL Ludwigstraße (+ This April Scenery)

21.10. Ulm, Club Schilli (+ This April Scenery, Kaffkönig)

22.10. Böblingen, Casa Nostra (+ This April Scenery, LYGO)

25.10. Wiesbaden, Schlachthof (+ Captain Planet)

09.12. Düsseldorf, FFT (+ This April Scenery)

10.12. Lüdenscheid, 10 Jahre Midsummer

23.12. Grevenbroich, GOT