Alles, wovon eine Band träumen kann, haben Turbobier in ihrer kurzen Geschichte schon erreicht. Sie sind Weltrekordhalter im Dosenstechen (412 Tschecheranten gleichzeitig); haben eine eigene App namens Turbobier Bierrechner, der es Besoffenen leicht macht, das restliche Bier gerecht aufzuteilen; ein eigenes Turbofest; eigenes Turbobier-Bier und auch noch eine eigene Partei! Und eine Religion !!! Es gibt also nichts – wirklich nichts – was sich der an Ehrgeiz erkrankte Marco Pogo noch auf seine Fahnen schreiben müsste, um weitere Neider hinter sich zu lassen. Einziges Manko an der Turbobier-Triebfeder Pogo: Sein für Außer-Österreichische Liebhaber oft schwer zu begreifender Kauderwelsch, den er Wienerisch nennt. Klar lädt der ein, in das Universum der Bierpartei Österreichs einzutauchen oder in die Bieristische Glaubensgemeinschaft. Sinne erweitern, Sprachen beherrschen, Weltwissen aufstocken. Aber da wir bei den Babys nicht die hellsten Kirschen auf der Sahnetorte sind, brauchten wir fachmännische Unterstützung in Form eines Dolmetschers, der uns den österreichischen Dialekt (wir hoffen doch wahrheitsgemäß) in unser bescheidenes Verständnis übersetzt.

 

Wie turbo trinken Sie Ihr Bier, Herr Pogo?

Marco Pogo: Oiso des trink i scho gscheit schöö. Kånn ma echt grådaus sågn: mehr turbo geht net. Aussa mit an gscheitn Trichter vielleicht. Owa då vaschitt i immer die Höftn. Oft håst a Pech.

Dolmetscher (D): Vielen Dank für die Frage. Diese möchte ich folgendermaßen beantworten: Ich trinke ganz schön flott. Im Sauseschritt sozusagen. Es sei denn, ich habe ein trichterähnliches Gebilde, mit dem ich mir das Gerstenprodukt in den Schlund katapultieren kann. Jedoch verschüttet man dabei oftmals die Hälfte. Da hat man bisweilen nicht immer glücklich werden können.

 

Was gehört standesgemäß zu einem waschechten Irokesentango?

M.P.: Da musst mitm linken Astl das Vorhandensein eines echten Irokesenschnittes antäuschen. Mit der rechtn Hånd bildest eine Art Schwanz, wie bei an T-Rex. Beides wachelst gscheit. Dann rennts mit deine hoffentlich alkoholisierten Hawara im Kraas. Goar net so schwer, waun ma is a bissl bemüht!

D: Na Hallodri, das beantwortet sich ja, salopp gesagt, „von selbst“. Dein humanoider, auf Kohlenstoff basierender Körper muss gesunde Extremitäten besitzen. Dann ist der Anfang schon geschafft. Denn mit der linken Hand deutest du den Haarschnitt einer berühmten Indianergang der frühen 1800er an und mit der rechten imitierst du die verlängerte Wirbelsäule eines Echsentierchens. Beide Hände beginnen nun zu wackeln. Wie bei einem Wirbelsturm. Und so verhältst du dich dann auch. Deine alkoholisierten Kollegen werden dem gleich tun und in ein besseres Leben gelangen, während man gemeinsam im Kreis torkelt.

 

In Zeiten, in denen Religionen mehr Angst und Schrecken verbreiten statt hoffnungsvolle Stütze für ein friedliches Leben zu sein, gründen Sie die Bieristische Glaubensgemeinschaft. Wie begegnen Sie damit anderen Religionen?

M.P.: I glaub, dass de Wöd a scheenares Platzl warat, waun olle Leit permanent a bissl an huckn hättn. Sogesehen såg i den andren Religionen: schwaast’s eich amoi gscheit um. Des is jo nimmer zum Aushoitn. I man, Ågsoffene san mitunta a oft a anstrengende Spezies, owa wås die Gläubigen allerorts auffiahn? Hoits de Tia zua.

D.: Ich glaube, dass die Welt ein schöneres Schoko-Plätzchen wäre, wenn alle Menschen ständig mies einen zu sitzen hätten. Deshalb wende ich mich mit folgenden Worten an meine Glaubensbrüder und -brüderinnen: Schwanz Eiche A-Moll Scheitel dumm. Das ist ja nicht mehr zum Nudelnmelken. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass der gemeine Trunkenbold eine minderwertig zu beblickende Bauarbeiternudel ist, sind manch andere Religionsfanatiker schon schwieriger zu integrieren, als wir, die Bieristen. Also haltet uns bitte die Kneipentür auf. Wir wollen trinken.

 

Was sind die Ideale und Moralvorstellungen eines Bieristen?

M.P.: Immer dezent Atü am Kessel håm. Das is der Grundpfeiler eines glücklichen Lebens. Håst schoamoi an unzufriedenen Angsoffenen gsehn? Selten. Dann erübrigen sich alle Probleme von söwa. Ganz generell gesprochen gilt bei den Bieristen auch der Dranglegorische Imperativ: Drangl immer sovü, wie du wollen würdest, das alle drangln.

D.: Saufen. Ganz einfach. Denn der Suff hält unsere Leber dazu an auch mal gescheit zu arbeiten. Stell dir nur vor, wir würden unsere Leber mit stupider Büroarbeit beschäftigen?! manometer. Also stell dir mal ordentlich ein 0,5er-Glasmantelgschoss ins Gesicht, damit du dich wieder spürst!

 

Kann ein ÖVP-Mitglied Bierist werden? Wie offen sind da die Grenzen, auch international gesehen?

M.P.: Ja, jeder kann sich bessern. Wie wollen ja niemanden ausgrenzen. Das machen scho andre (außer Konsumenten von alkoholfreiem Bier, des is a wirklich grauslich).

D.: Nein.

 

„Gib Arbeit keine Chance“ ist das löbliche Leitmotiv Ihrer ganz eigenen Partei, der Bierpartei Österreichs (BPÖ). Inwiefern kann eine Band Arbeit sein?

M.P.: Wir haben einen Grundsatz festgesetzt: Solang man währenddessen fett sein darf und kann und auch ist, daun is des ka Oarbeit, was man da eigentlich tut. Dieses Prinzip håt sich guad bewahrheitet und trifft eigentlich immer zua!

D.: Einen festgesetzten Grundsatz haben wir: Darf ich während der „Arbeit“ einem gescheiten Rausch fröhnen, dann ist es keine Arbeit vong Arbeitem her. Also quatsch mich nicht voll. Sag mal, trinkst du eigentlich grade?

 

Na aber hallo! Den ganzen Tag tschechern kann übrigens auch Arbeit sein. Wie begegnen Sie dieser Aufgabe, welche Hilfsmittel dienen Ihnen dabei?

M.P.: Då gibt’s recht einfaches Utensil, des is a für die klanen Börserl afoch im Internetz bestellen lässt – allen vorweg amoi der Trinkhelm. Ein handelsüblicher Trinkhöm kånn da durchwegs die Biaschtelei mit deine Hawara versüßen. Und du muasst net so oft zum Glasl greifen. Ansonsten empfiehlt sich natürlich a der TurboTrichter – gibt’s im Übrigen im TurboShop!

D.: Das gibt es ein ganz einfaches Utensil, das man sich für einen schmalen Taler an jeder Straßenecke oder im Darknet bestellen kann: Speed! Damit hab ich schon vier Tage am Stück am Bier-Tropf hängen können. Es fühlt sich an, also könnte man Flüssigkeiten kauen. Oder die Variante des Trinkhelms. Oder ein trichterähnliches Gebilde. Eben jenes kann man sich übrigens in unserem autorisierten TurboBier-Online-Supermarkt erstehen. www.turboshop.shop

 

Wann sollte die frühkindliche Erziehung zur Gerstensaft-Erholung eingeleitet werden?

M.P.: Wir wollen ja net gegen geltende Gesetze verstoßen – a wenn wir eigentlich auf die Obrigkeit scheissn – aber wir erachten 14 Lebensjahre als geeignetes Einstiegsalter.

D.: Ich selber habe bereits im zarten Alter von 6 Jahren und 6 Monaten meinen ersten Blechmantel durch die Speiseröhre gepresst. Meine Eltern leugnen bis heute, dass sie anstelle von glutenfreier Sojamilch, Bier in mein Schnabeltässchen zum Stillen getan haben. Aber ich weiß das besser. Immerhin bin ich Ich. Und nicht du. Da wir andere aber nicht beleidigen wollen, bieten wir geneigten Trinkgenossen ab dem 14. Lebensjahr die Pulle an.

 

Wie wird die BPÖ mit Trump, Putin und Erdogan fertig?

M.P.: Eine echte Konkurrenz kånn Erdogan nicht sein – der trinkt jo nix. Putin is sicher auf der Kurzstrecke mit Wodka guad dabei, aber auf der Langstrecke mit Bier is er chancenlos gegen uns. Man darf Trump nicht unterschätzen – wer soviel Scheiss daherredet, muss eigentlich permanent angsoffen sein – und somit is er wahrscheinlich sogar für knallharte Profis wie uns a hoarte Nuss.

D.: Fertig wird man meist nur beim Masturbieren. Mit Politikern anderer bzw. eigener Länder ist es da leider etwas schwieriger, da deren Halbwertszeit deutlich höher angesiedelt ist als das Mindesthaltbarkeitsdatum meiner derzeitigen Hopfenschorle. Jedoch kann ich mit (Un)Fug und Recht behaupten, dass wir alle massig unter den Tisch trinken können. Und aus Erfahrung wissen wir ja, dass Leute einem dann eher ihren Glauben schenken. Also lass uns nicht lang um den sexy Erbsenbrei herumreden – Das sind alles Nulpen und sehen insgeheim zu uns hinauf!

 

Welchem österreichischen Politiker muss man mal die Leviten lesen und warum?

M.P.: Puh, ganz vielen. Eigentlich allen, außer uns. Wir nehmen die Sorgen des kleinen Mannes noch ernst. Der Rest arbeitet nur ins eigene Börsen, de Gfrasta. Folgende Typen sind undruckboar: Hofer/Strache/Gudenus/Kickl, Lopatka, Fekter, Kurz, Cap, und eigentlich auch die Vassilakou, die is a ka Bemmerl.

D.: Mein lieber Piefke-Reporter. Was sind Leviten? Ich probiere deine Frage zu interpretieren! Ich war in der Schule und kann lesen. Ebenso schreiben. Wie du offensichtlich merkst. Und ich denke, dass uns jeder österreichische Politiker, der nicht in der BPÖ ist, in einigem nachsteht. Auch wenn es nur der Fakt ist, DASS er nicht in der BPÖ ist. Abschließend kann ich als Veganer dazu nur sagen, dass auch ich schon die ein oder andere gute Nuss geknackt habe und durch Rückschläge nicht zwangsweise ins Straucheln komme. Denn Hopfen steht mir bei und ich kick alle aus dem Rennen, die über kurz oder lang kein Turbobier-Cap tragen.

 

Wie kann ein kapitalistisches Brettspiel wie „Reparaturseidl“ die Herzen der Menschen öffnen?

M.P.: ‚Reparaturseidl – das TURBOBIER Brettspiel‘ is halt einfach das beste Spiel auf der Welt. Es is lustig, man kann’s mit seine Hawara spün, oder a zu zweit mit sei’m Gspusi, oder a allanich, und es is immer a Fetzngaude. Welches Spiel kånnstn bitteschön scho allanich spielen? Richtig, goar kans. 

D.: Das von dir angesprochene Brettspiel ist ein bei uns, in Zukunft, in der Tradition verankertes Spiel, dass einen Riesenspaß bereiten kann. Egal ob für jung oder alt. Hier geht jeder stramm nach Hause. Gerüchten zufolge haben einige Straßenpunks am Bahnhof ihres Vertrauens durch Spiele mit Fremden den Einkaufspreis zurückgewinnen können. Das Geld das an mich geflossen ist, habe ich lediglich an ein paar Brauereien gespendet, die mich umgehend in ihr Herz geschlossen haben und wir uns ziemlich die Hucke vollgesoffen haben.

 

Wie werden Turbobier die Welt retten?

M.P.: Mit übermäßigem Alkoholkonsum. Da geht einiges.

D.: Mit übermäßigem Alkoholkonsum. Da geht allerhand.

 

Zu guter Letzt: Was ist das Schönste am Wienerischen?

M.P.: Wir.