Hier ist es zu warm, hier gibts zu süßes Obst, hier gibts zu viele nackte Weiber. Dem deutschen Durchschnittsbürger kann man es derzeit nicht wirklich recht machen.  Selbst Katzenvideos und SM-Fantasien mit Frauke Petry vermögen es nicht mehr Otto Normal ein Lächeln ins wettergegerbte Gesicht zu zaubern. Scheiß Jahreszeit eben. Zumindest für Fackel-Spaziergänge. Und Deutschland sowieso. Armes Germanien… Und armer Turbostaat. Denn in Zeiten, in denen die sozio-politische Trunkenheit der unteren Mittelschicht immer offensichtlicher wird, bedarf es eben keiner „Links außen“-Poesie mehr, um zu erkennen, dass Thüringer Edel-Obstgeist vom Fass sehr wohl den Geist vernebelt… Und wenn man sich musikalisch dann auch noch zwischen Prunksitzung der Antifa Düsseldorf und dem verzweifelten Versuch bewegt, „jetzt auch endlich mal richtige Songs zu schreiben“, dann muss man sich nicht wundern, wenn man über diesen Bütten-Kalauer nicht wirklich lachen kann.

 

Ja, Turbostaat ist eine wichtige Band. Ja, Turbostaat ist eine substanzielle Band. Aber können Geltung und Substanz alleine schon durch ihre Existenz unterhalten?Nö. Nur weil Lisa Ann für 2,99 Dollar virtuell die Beine spreizt und ich bei McDonalds aus Versehen einen Chicken McNugget zu viel bekommen habe, geht mir noch lang keiner ab. Schmecken muss es. Und je öfter man vom Trog genascht hat, desto schneller wird man diesem auch überdrüssig.

 

Der Turbostaat-Gedenk-Spielmannszug

Genauso verhält es sich mit Abalonia. Turbostaat covern Turbostaat und lassen an der einer oder anderen Stelle noch Turbostaat einfließen – aber nur die alten Sachen von Turbostaat, denn die finden Turbostaat wohl am besten. Turbostaat ist eben nicht Turbostaat. Auch wenn Turbostaat noch nie mehr nach generalüberholten Turbostaat geklungen haben.

Clown Gitarre
Ababababalonia…

Aber gerade das hätte dieser Platte sehr wohl gut getan: Ein kleiner Blick über den eigenen Tellerrand. Oder vielleicht gleich der überstürzte Köpfer in neue Gefilde. Die Texte sind schließlich wieder ein Mal mehr als inspirierend, einzigartig und wunderbar verschwurbelt, aber wenn das alles dann klingt, wie eine Turbostaat-Coverband auf Valium und Dosenbier, dann kann auch Szene-Papa Jan Windmeier nichts mehr schönreden.

 

Schnaps, Tusch, ab in die Kiste!

Aber vielleicht, ja nur vielleicht, hatte ich ja selbst den ein oder anderen Klaren zu wenig… Bin ich ja selbst Mitglied der Alternative für Dummbeutel und schaue Pornos im Internet niemals an Feiertagen. Nein, ich finde Abalonia nicht schlecht. Ich finde Abolonia nur nicht richtig gut. Zum besseren Verständnis, Dinge, die ich besser finde als Abalonia:

 

Flüchtlinge, aber nur die, die so Fachkräfte sind
Veganer Schweinehack
Süddeutschland (bis auf München. Da leben nur Schwule)
Die meisten Bands, die nach Turbostaat klingen wollen… (Bis auf Findus. Einer meiner Neujahrsvorsätze 2016 ist schließlich ein bisschen netter zu sein)

 

Ja, prügelt auf mich ein, schreibt mich ab und steckt mich ins LaGeSo. Ich habs wahrscheinlich verdient. Doch sollten mich freiwillige Helfer dort fragen: „Na, ist Abolonia was, um nach meiner Doppelschicht am Suppen-Ausschank mal ordentlich abzuhotten“, dann lautet meine Antwort immer noch: „Nein, Malte-Serjoscha“.

Beständigkeit ist wichtig. Das kann ich nur bejahen. Außer bei Turbostaat. Da will die musikalische Spießigkeit nicht so richtig passen. Obs an mir liegt? Fragt meine Eltern. Die brennen ihren Schnaps selber und kennen Flüchtlinge nur aus den Tagesthemen.

Bis dahin: Ein dreifach närrisches Abalonia, Abalonia, Abalonia… Und Auszug.