Tyga-The-Gold-Album-18th-Dynasty-Review

„Hat dieses Gejaule jetzt endlich mal ein Ende?“ ist die erste Reaktion auf meine kleine Balkon-Listening-Session anlässlich des oft angekündigten, noch öfter verschobenen und von vielen sehnsüchtig erwarteten Tyga-Langspielers „The Gold Album: 18th Dynasty“. Vermutlich wird das Album seiner Namensgebung folgen und auf Goldsuche in den Charts gehen, einzig die Suche nach dem Grund gestaltet sich für mich ebenso vielversprechend wie die Jagd nach dem Bernsteinzimmer. Also Ärmel hochgekrempelt und die Peitsche geschwungen – Indiana Jones stürzt sich in sein neuestes Abenteuer.

 

Hilfe, ich verstehe das alles nicht!

Ja, was war eigentlich gut an dem Album? Stach etwas hervor, gab es herausragende Merkmale? Die Sonne ist schon hinter den Dächern der Stadt versunken und doch sitze ich noch immer grübelnd an jenem Fleck, an dem mich „18th Dynasty“ vor einer gefühlten Ewigkeit hat stehen lassen. Völlig ohne Orientierung und mit nichts als einer krakeligen Karte als Wegweiser. Selbst die Lines sind mehr als dünn gezeichnet und lassen kaum klare Konturen erkennen. Zerklüftete Gipfel und Erhebungen einer Frequenzkurve lassen sich weit und breit nicht erkennen und auch tiefgründige Gewässer, wabernd wie Bässe – und mögen sie noch so still sein – suche ich vergebens.

Nein, diese Karte ist das wohl am meisten verwaschene Dokument einer Kunst, das ich seit einer ganzen Weile in der Hand halten durfte. Wären irgendwo Gewässer verzeichnet und schmiegten sich an diese Gewässer weiße Sandstrände, so wären selbst die wunderschönen Karibik-Muscheln, die man hier finden könnte, stumm. Nach einem Kristallschädel brauche ich hier vermutlich gar nicht erst graben.

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Wie meinst Du das, Dir gefällt diese Platte?

Vom Pharao zur abgewrackten Rack City Bitch

Der selbsternannte ägyptische Gottmensch offenbart in diesen Tagen seine durchschnittlichste Menschengestalt, welche ihn, in einer anderen als unserer Wohlfühl-Couchpotatoe-Gesellschaft, binnen kürzester Zeit bei den Krokodilen hätte landen lassen. Tyga wirkt auf seinem vierten Studioalbum satt wie die Panzerechsen nach einem solchen Festmahl und scheint sich mehr darauf besonnen zu haben, seine Musik als Sprungbrett für andere Zerstreuungen – wie zum Beispiel seine Modeanstrengung Last Kings – zu verwenden.

Leider ist dem sehr eintönigen und wenig versiert klingenden Herrscher auch nicht mit einer pompösen Inszenierung in Form einer alles überschattenden Produktion zu helfen. Diese hält sich mindestens genauso vornehm im Hintergrund und umschleicht die Lyrics klammheimlich, still und leise wie ein intriganter Eunuch im hoheitlichen Palast. Möglicherweise aber auch nur, um den stotternden Machthaber selbst nicht in den Hintergrund zu drängen – quasi der beatgewordene Logopäde aus „The King’s Speech“.

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Tyga wagt den Sprung zu einem neuen Niveau…

Schaufel schneller, du Klappspaten!

Genug der Ägyptologie und Herrscher-Metaphern – jetzt wird noch mal Tacheles geredet, Keule! Die ersten, sagen wir mal acht Tracks des Albums sind dermaßen Flach und konturlos, das Album ist quasi die Niederlande der momentanen Release-Welt. Sorry Holland, no offense! Den letzten vier Tracks um „4 My Dawgs“ und „Hollywood Niggaz“ kann man den Willen, das Ruder noch rumzureißen, nicht absprechen.

Leider bleibt es hier im übertragenen Sinne bei dem geschriebenen Trostpreis des Grundschulzeugnisses: „Er war stets bemüht!“ – aber trotzdem dämlich, höre ich die Lehrer gehässig im Geiste flüstern. Eine große Schippe drauflegen funktioniert nun mal nicht, wenn man nur mit einem klapprigen Campingspaten bewaffnet ist. Da hilft auch ein Feature mit Lil‘ Wayne nicht, dessen Gesang sich neben einem gekrächzten „Haste mal fuffzig Cent?“ in der S-Bahn nicht zu verstecken braucht.

 

„Wohin geht’s da?“ – „Ins Nichts, du Depp!

Die Peitsche hängt ermattet zu Boden, der letzte Quadratmeter Wüstenboden ist umgepflügt und der Filzhut fällt, von schwieligen Händen entkräftet ziehen gelassen, zu Boden. Die letzte Mission eines alternden Helden wird wohl seine einzige ohne einen spektakulären Fund bleiben. Kein glänzender Totenkopf kann präsentiert werden, maximal ein Kronkorken ließ sich aus dem knochentrockenen Sediment heraussieben.

Eine blinde Karte ins Nichts und eine Mission, die schon nach den ersten Takten verloren schien. Schade!