„Vice Principals“ Review: Läppische Lehrer-Lümmel

Stell Dir vor unser Lehrer Dr. Specht wäre ein kleiner Perverser mit emotionalen Problemen, sexueller Frustration und einer zerrütteten Familie... Vice Principals ist seine Geschichte....
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Leben. Das bedeutet lachen, lieben, leiden. Auch mit 12 Wochen Ferien im Jahr. Was früher vielleicht noch der Traumberuf zielloser Einzelkinder aus gut situierten Mittelstandsfamilien war, ist nämlich spätestens mit der schrittweisen Abschaffung des Beamtentums für pädagogische Fachkräfte auf dem harten Boden der Realität angekommen: Lehrer-sein ist kein einfacher Beruf. Und wenn sich zu lümmelhaften Sechser-Schülern, neidenden Kollegen, der rigorosen Rektorin auch noch Familienprobleme und eine fast schon fanatische Liebe dazugesellen, dann ist der Griff zu Rotwein und einer neu glänzenden Rasierklinge nicht weit… Danny McBrides Narben gehen in seiner neuen Serie Vice Principals zumindest tief. 

An der North Jackson High School wird der Posten des Rektors frei. Klar, dass Konrektor Neil Gamby (ein zum knuddeln ambivalenter Danny McBride) und sein Kollege Lee Russell (ein wahnsinnig guter Walton Goggins) da ihre Chance wittern. Doof nur, dass die Schulbehörde andere Pläne hat und den beiden Kontrahenten mit Dr. Belinda Brown (eine manchmal etwas theatralisch mimende Kimberly Herbert Gregory) nicht nur eine straighte neue Kollegin vorsetzt, sondern auch einen neuen Boss. Fortan müssen sich die beiden Streithähne zusammentun, um die neue Rektorin von ihrem Thron zu verdängen. Blöd nur, dass es neben der Intrigen-Spielerei für die beiden „Vice Principals“ auch Zuhause drunter und drüber geht.

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„Mein Leben ist ein davonfahrender Bus“ – Neil Gamby, Konrektor

Wäre Steve Urkel ein richtiger Mensch…

Wenn sich Comedy und Drama paaren, dann hat man entweder meisterliche Erzählkunst vor sich oder ist an die deplatzierten Story-Versatzstücke in Sitcoms wie Full House oder Alle unter einem Dach erinnert.

Ein bisschen was vom Charme unterirdischer Erzählkunst der 80er und 90er lässt Vice Principals zwar des öfteren durchscheinen, in seinen glänzendsten Momenten jedoch, weiß Hauptdarsteller und Autor Danny McBride seine Zuschauer immer wieder aus der Lethargie mit der vollen Wucht emotionaler Unberechenbarkeit zu reissen.

Nein, Vice Principals dreht sich nicht nur um die albernen Versuche zweier völlig unfähiger Konrektoren ihre Chefin auszustechen, sondern auch um die Menschen hinter der Intrige. Unverblümt, ehrlich und oftmals auch tragisch. Da ist es dann auch mal zu verzeihen, dass nicht immer jeder Gag sitzt.

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„Oh, ich dachte so mögen Sie ihn…“ – Lee Russell, Konrektor

Einmal Kaffe mit Rotze, bitte

Vielmehr die Charaktere mit ihren Macken, Spleens und Kanten sind es, die den Reiz dieser Lehrer-Dramady ausmachen. Es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie sich Neil Gamby und sein Kontrahent Lee Russell von einer dämlichen Situation in die nächste buchsieren, aber McBrides Drehbücher dies dennoch nie für den schlechten Witz, die noch dämlichere Pointe opfern.

Vielmehr nutzt McBride Momente, in denen Rektorin Dr. Belinda Brown ihren Konrektor Russell dabei erwischt, wie dieser in ihren Kaffee spukt, um die Geschichte dramatisch voranzutreiben.

Wenn Lehrer-Trottel Neil Gamby sich jedoch auf ein Endura-Motorrad schwingt, um seine Motorsport interessiere Tochter endlich mal glücklich zu machen, dann nicht, um auf die Tränendrüse zu drücken, sondern um dort Lacher zu platzieren, wo sie eigentlich nicht angebracht sind: in den intimsten Momenten der Charaktere.

 

Lehrer sind auch nur „Menschen“

So müssen sich McBrides Figuren nicht nur von einer lustigen Szenerie in die nächste schleppen, obendrein verpasst der Autor ihnen auch noch jede Menge Probleme.

Eine Lehrerin, die ihren Kollegen für einen Perversen hält… Eine andere Lehrerin, die ihren Kollegen für die große Liebe des Lebens hält… Eine Ehefrau, die ihren Mann für einen Schlappschwanz hält… Eine Tochter, die ihren Papa für einen Trottel hält… Und eine Schule, die ihre Rektoren für Loser hält.

Der Albtraum eines jeden Pädagogen verfilmt in der ersten Staffel Vice Principals.

 

Okay…

Wo man lachen sollte, könnte man heulen und wo eigentlich die Fake-Lacher aus der Konserve einen Witz ankündigen müssten, zückt man am besten das Taschentuch.

Danny McBride schafft in Vice Prinicpals gekonnt mit Klischees gängiger Sitcoms zu spielen und schafft so ein kleines, kultiges Stück Fernsehunterhaltung, dass zwar mit seiner schrulligen Art nicht jedem Gefallen dürfte, aber definitiv keine Enttäuschung ist.

Themen
ComedyDrama

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein