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Wer der Ozean ist, der ist riesig und weit und geheimnisvoll und ziemlich einnehmend. Oder will es zumindest sein. We Are The Ocean aus dem englischen Essex jedenfalls legen sich ordentlich ins Zeug, um der Epik gerecht zu werden, die sie einst zu ihrem Namen inspirierte. Mit ihrem zweistimmigen, mal hartem mal hauchzartem Gesang wurden We Are The Ocean vor ein paar Jahren noch zusammen mit einigen anderen englischen Bands wie You & Me At Six oder Mallory Knox als neue Hoffnung des Post-Hardcore gefeiert. Aber neben Liam Crombys wandlungsfähiger und ausdrucksstarker Stimme war Dan Brown doch nur irgendein Schreihals. Fast schon zu viel Zufall, dass besagter Brown 2012 die Band verließ und der Rest auf „Maybe Today, Maybe Tomorrow“ plötzlich Bock auf radiotauglichen Alternative-Rock bekam.

 

„We Are The Nickelb…Ähm, Ocean“

„Ark“ legt ordentlich nach in Sachen Hausfrauen-Hardrock. Die melodramatischen Sing- und Schrei-Hits aus den Anfangstagen wie „Nothing Good Has Happened Yet“ oder „All Of This Has To End“ sind live wahrscheinlich nur noch Mitleids-Zugabe für die Haarspray-schweren, schwarz gelackten Mädels. Der Rest des Sets ist neuerdings eher ihren Müttern gewidmet. Sie können Booty shaken zu „I Wanna Be“ und „Good For You“.

Chad Kroeger Gif
Mit weeeeem hast Du mich verglichen?

 

Sie können mit Papa schunkeln und Feuerzeuge anzünden, wenn We Are The Ocean „Hope You’re Well“ anstimmen oder bei „Letter To Michael“ die Akustikklampfe auspacken. Ein bisschen andere Papas anschmachten und sich dirty f¸hlen d¸rfen die Muttis bei „Let’s Do It Together“. Und zu „Shere Khan“ können sie mal richtig „Wild“ die Lockenwickler wackeln lassen.

 

Sexrock, Sexrock, you’re ma Sexrock…

We Are The Ocean haben den Bogen auf „Ark“ teilweise schon raus, so ist das nicht. Die krasse Kehrtwende macht wahrscheinlich nicht jeder mit, aber „Holy Fire“ oder der Opener „Ark“ haben Gespür für große Melodien und ein bisschen Größenwahn. Die Instrumente ¸berlagern sich in immer bombastischeren Lagen und Jack Cromby wispert und jault mit Stadionrock-Stimme. Aber Zeilen wie „Let’s do it together, something you will remember, we can do it forever“ sind immer Panne, ob man die jetzt versiert singt oder nicht.

Sex Gif
Und ich dachte er will nur die neue Platte von We are the Ocean hören…

Die erste Hälfte des Albums ist eine einzige Ansammlung von peinlichem Macho-Sexrock mit Frauenchören und schmierigem Gitarren-Genöle (Noch schlimmer und lachhafter, wenn man weiß, wer da auf der Bühne steht: 5 Weißbrötchen aus dem englischen Hinterland). Und ein Song wie „There’s Nothing Wrong“ ist einfach nur ein Red Hot Chili Peppers Rip-Off. Wo die ehemaligen Funkrock-Revolutionäre jetzt gespielt werden, kann also bald auch We Are The Ocean laufen: Im nichtssagenden Nachmittags-Programm von irgendeinem Spieflerradio.

No, wieh ahr nod sä Ocean, we are just ein bisschen Kuschelrock.