Fickificki, Bumm-Bumm-Pau, Knall-Peng-Autschi… HBOs neues Über-Drama Westworld ist die perfekte Mischung aus Youporn, „Spiel mir das Lied vom Tod“ und Also sprach Zarathustra auf Metaamphetaminen.

Im Vergnügungspark Westworld geht alles: heiße Tresenbinen, wilde Schießereien und unglaubliche Abenteuer. Dank Robotern, die Westworlds Besuchern eine perfekte Cowboy-Illusion vorgaukeln. Das Problem: die mechanischen Schauspieler scheinen ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln…

Ein Park in dem man reiten darf. Auf Pferden. Und Frauen. Klingt nach einer Menge Spaß, oder? Da ist also kaum verwunderlich, dass, wenn Besucher mit der alten Eisenbahn die amerikanische Wüste durchquert haben und in zwischen Windmühlen, Saloon und staubiger Geselligkeit im Park angekommen sind, meist nur ein erstauntes „Was zum Teufel!?“ bleibt…

Nicht nur, weil Setting, Ausstattung und Ambiente Besuchern von Westworld den Atem rauben, sondern eben auch uns Zuschauern…

Jurrasic Park war eben nur ein Kinderparadies.

 

Die Indianer von Westeros

Game of Thrones kommt bald zu einem Ende. Traurig. Aber wahr. Das bedeutet für HBO: nachlegen. Und diesen Druck spürt man Westworld in jeder Einstellung, in jedem Dialog, auch merklich an.

Durchgestylte Bilder, Nippelblitzer hier, nackige Popos da und an Brutalität stehen die Cowboys den Bewohnern Westeros‘ auch in nichts nach. Ja, Westworld ist geil! Ganz anders als das Fantasy-Epos um Jon, Cercei und Co… Aber geil.

Im Gegensatz zu David Benioff und DB Weiss schafft Christopher Nolans (Inception, The Dark Knight, Interstellar) Bruder Jonathan mit dem stylischen Remake seines Vorgängers aus dem Jahre 1973 das Gegenteil der throne’schen Plakative: etwas völlig absurdes, aber vor allen Dingen tieferes. Er ergänzt Michael Crichtons Thriller um philosophische Gedanken-Experimente über Menschlichkeit und künstliche Intelligenz. Die Chancen und vor allen Dingen die Gefahren von KI. Für Mensch… Und auch Maschine.

 

Domo arigato, Mister Roboto

Wir folgen zunächst Dolores (zum Verlieben: Evan Rachel Wood) in die Tiefen des Parks: ein Farm-Mädchen, liebende Tochter, Hobby-Malerin… Und Androidin, die nach einem tragischen Zwischenfall neu gebootet werden muss.

Diese Aufgabe übernimmt Bernard Lowe (Wie immer fantastisch: Jeffrey Wright) im Auftrag seines Bosses Dr. Robert Ford (Legendär: Anthony Hopkins), der seine Arbeit zwar liebt, diese aber auch verabscheut.

Und genau wie Bernard hadert, tut dies auch der Zuschauer. Realität ist in Westworld nämlich ein sehr dehnbarer Begriff: nie ist wirklich klar, ob Figuren nun menschlich sind oder nicht. Nie so richtig entfaltet die Story ihre vollen Geheimnisse und so rein gar nicht hat man als Zuschauer auch nur irgendeine Ahnung, was „da“ zum Henker überhaupt passiert.

Die Manifestation dieser Grundverwirrtheit ist „Der Mann in Schwarz„. Ein gesetzloser Cowboy, der in Westworld anscheinend tun und lassen kann, was immer er auch will. Auf der Suche nach einem geheimnisvollen Labyrinth mordet, foltert und schießt sich so Ed Harris‘ fantastischer „Antagonist“ (wir sind uns ziemlich sicher: ist alles nur Fassade…) durch Städte, Schluchten und Pärieen, auf der Suche nach einem Sinn… Für sich. Und uns Zuschauer.

Doch nicht nur „Der Mann in Schwarz“ ist eine Bedrohung in Westworld. Vor langer Zeit soll es in dem Park eine „große Katastrophe gegeben haben – und seitdem ist dort nichts mehr so wie es einmal war.

Zumindest behauptet dies Parkbabo Dr. Robert Ford. Doch ob Westworlds Boss mit seiner analytischen Art zu kommunizieren überhaupt ein Mensch ist, bleibt auch stets zu hinterfragen.

Storyfüchse erahnen es bereits: das muss doch alles zusammenhängen!?

Schlechte Quoten? Mehr Nippel!

Sex, Orgien, Gewalt, Blut und Drama – womit andere ganze Staffeln füllen verkommt bei Westworld fast schon zur Nebensächlichkeit. Die eigentliche Stärke dieser Serie liegt nämlich nicht darin einzelnen Protaginisten zu folgen, sondern eben dem exakten Gegenteil: den Nebenbuhlern, den erweiterten Statisten, den Robotern des Parks.

Es ist schon erstaunlich welches Gedankenexperiment Nolan seinen Zuschauern zumutet: zu erkennen, dass uns hier nicht das Menschliche anzieht – die „echten Personen“ sind nämlich alles andere als sympathisch oder gar emphathisch – sondern Maschinen, die eben die Geheimnisse der Menschlichkeit ergründen. Westworld spielt somit nicht nur mit der Wahrnehmung seiner Zuschauer, dieser Serie schafft eine völlig neue.

So sollen laut der Autoren nicht nur der ein oder andere menschliche Protagonist eigentlich mechanischer Natur sein, es gibt bereits Theorien, die davon ausgehen, dass dieses futuristische Cowboy-Epos sogar auf mehreren Zeitebenen stattfindet: Vergangenheit, paralleler Gegenwart und in einer unbestimmten Zukunft.

Vielleicht nicht umsonst betitelte Nolan seine Serie als Inception mit Pferden

Titten aufn‘ Tisch jetzt wird philosophiert

Westworld ist das Erkunden der Menschlichkeit. Seiner besten Eigenschaften. Aber auch seiner schlechtesten. Und das beinhaltet Gewalt und Sex. Die traurige Vergangenheit unserer Existenz„, schildert HBO sein neues Serienepos. Und beschreibt damit nicht nur was Westworld so einzigartig macht, sondern auch was es mit Game of Thrones eint: Wer Snow und Lannister wegen zu viel Blut und zu vielen nackten Brüsten ausschaltete, wird dies auch bei Westworld tun.

Während uns die Welt um Westeros aber immer wieder an die Gurgel packte und unerbittlich zudrückte, stößt uns Westworld lieber vor den Kopf. Wir sollen uns nicht ergötzen. Wir sollen denken.

Ja, das scheint nicht viel zu sein, für ein HBO-Drama. Aber eigentlich ist es genau das, worauf wir so lange gewartet haben…