Wolfmother im Bewerbungsgespräch

Andrew Stockdale von Wolfmother ist ein bunter Vogel. Einer, der unsere Firma nur beflügeln kann, weil er nicht komplett abgehoben über unseren Kadavern kreist. Sein Aufzug imponiert. Obligatorisch sein...
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Andrew Stockdale von Wolfmother ist ein bunter Vogel. Einer, der unsere Firma nur beflügeln kann, weil er nicht komplett abgehoben über unseren Kadavern kreist. Sein Aufzug imponiert. Obligatorisch sein Laissez-faire-Dreitagesbart: nicht zu gewagt und nicht zu glatt. Dazu eine Ankerkette, die genau so bildreich ist: entweder ist Mr. Stockdale in einem stabilen Leben gelandet oder auf der stetigen Suche nach neuen Abenteuern – beides bei Bedarf positiver Natur. Sein farbenfrohes Hippie-Shirt und die übergroße Sunburst-Sonnenbrille unter wilder 68er-Jahre-Lockenpracht macht den Eindruck gnadenloser Weltoffenheit und modischem Verständnis perfekt. Den edlen Gentleman muss man zum Bewerbungsgespräch einladen! Leider lief das nur nicht so wie erhofft. Andrew stellte sich doch eher als der „ich lasse lieber machen“-Typ heraus. Dass sich gerade der Wolfmother – eigentlich als das Rudel zusammenhaltende Kraftpaket aus Beschützerinstinkt und bedingungsloser Liebe – lieber als domestizierten Hund sehen will, macht uns fertig. Aber lest selbst.

 

Welche Stärken zeichnen Sie aus, Mr. Stockdale?

Mein eigenes Ding zu machen, das ist meine größte professionelle Stärke. Mit Leidenschaft das zu machen, woran ich glaube.

 

Und welche Schwächen haben Sie?

Ungeduldig mit Leuten zu sein, die teilnahmslos sind. Ich kann Leute nicht ausstehen, die Dinge nicht machen, weil sie es wollen, sondern sich in Situationen verfangen haben. Wenn sie in der Bürokratie oder im Papierkrieg feststecken. Es ist schwer für mich, geduldig mit ihnen zu sein. Aber ich versuche es.

 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Meine Tochter. Das ist das Beste, was mir im Leben passiert ist. In meinem musikalischen Leben würde ich sagen, der Grammy war eines der Highlights.

 

Erzählen sie mir über einen Konflikt oder eine Herausforderung auf Arbeit und wie sie damit umgingen.

Als wir zum ersten Mal von einem Plattenlabel unter Vertrag genommen wurden, sagten sie uns: „Wie wäre es, wenn ihr Wolfmother beiseiteschiebt und in die Backing-Bands des Labels einsteigt?“ Keine Chance. Ich habe ihnen das Geld zurückgegeben und den Vertrag widerrufen. Dann haben wir noch Showcases für verschiedene Labels gespielt. Wir haben „Dimension“, „Woman“, „White Unicorn“, „Love Train“ gespielt. Und das eine Label sagte uns: „Ich liebe die Band, aber ich kann keine Songs hören.“ Haha, zwei Jahre später gewannen wir einen Grammy für einen dieser Songs. Auch heute noch gibt es Schwarzseher. Es ist nie leicht, egal für welche Band. Das ist der beste Rat, den ich jeder Band geben kann: Hört nicht auf apathische und abgestumpfte Menschen mit einem Mangel an Enthusiasmus. Manchmal liegen Menschen einfach falsch. Es gab auch mal jemandem, der ein Label hatte, der gesagt hat: „Apple Tree“ ist der schwächste Song auf der EP.“ Wir sollten den nicht auf die Platte packen. Am Wochenende drauf wurde es der Song der Woche auf NME. Und jetzt sehe ich jede Nacht unsere Crowd total steil drauf gehen. Jede Nacht sehe ich, wie falsch er lag (lacht ziemlich dreckig, aber ziemlich sympathisch).

 

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Wenn du es fühlst und ehrlich denkst, dass es gut ist, dann ist es völlig egal, was jemand anderes sagt. Ich vertrete die Theorie: Es gibt viele Leute wie mich. Wenn ich etwas also mag, wird es jemand anderes auch mögen. Ich muss also nur versuchen, etwas zu erschaffen, was ich selbst mag. Es gibt Hipster, Metaller, Rocker, Dancer – sie reden über all die verschiedenen Kategorien. Damit wird versucht, Menschen zu separieren. Gute Musik überschreitet aber Grenzen. Es braucht ein gewisses Risiko. Cream wussten nicht mal, dass sie eine Metalband sind. Led Zeppelin auch nicht. Versucht euch nicht, Genres anzupassen.

 

Was haben Sie von ihrem Boss, dem Produzenten Brendan O’Brien, gelernt?

Wenn er abmischt, benutzt er Highlight-Farben, macht den Bass zum Beispiel blau und das Schlagzeug orange. Jetzt mache ich sogar Sachen in meinem Kalender farbig. Das ist echt clever.

 

Wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben?

Was andere über einen selbst sagen, geht einen nichts an. Ich versuche nur, meinen Teil zu leisten und den Rest seine Wege gehen lassen. Mehr kann man nicht für andere Menschen tun. Nur hoffen, dass diese Dynamik funktioniert. Man muss versuchen, freundlich, großzügig und fürsorglich zu sein. Dann liegt es an ihnen, ob sie die Erfahrung in der Band genießen oder sich beschweren wollen. Das kommt darauf an, welchen Anspruch man ans Touren und an Bands stellt. Solange ich Spaß habe, haben für gewöhnlich auch alle anderen Spaß. Wenn jemand eine gute Zeit hat, schlägt sich das auch auf andere nieder.

 

Glück ist also ein Virus. Was haben Sie vor Ihrer jetzigen Karriere gemacht?

Fotografie. Ich habe immer noch eine Kamera und schieße hier und da Fotos. Ich habe Menschen auf der Straße fotografiert, Porträts und Gebäude. Wenn es Arbeit war, dann Mode. Weil es künstlerisch ist. Bandfotos habe ich auch gemacht. Bei Wolfmother habe ich auch viele der ersten Bandbilder gemacht. Bei meinem Soloalbum hat meine Freundin die Bilder geschossen.  

 

Wenn sie ein Tier sein könnten, welches wären Sie?

Ein häuslicher Hund. Der immer gut versorgt wird und den ganzen Tag herumliegt.

 

Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

Hoffentlich immer noch in diesem Job, ich bin sehr glücklich. Wir könnten nur noch ein wenig wachsen, größere Hallen spielen.

 

Na ob das so glücklich formuliert war? Ein fauler Hund, der aus seinem Tourtrott gar nicht rauskommen will… Die Babys sehen sich lieber anderweitig um. Bitte bewerben Sie sich jetzt, die Stelle ist noch nicht besetzt.

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Das Bewerbungsgespräch

Es gibt Themen, Artikel und Meinungen, die müssen gebracht werden. Aber nicht im Namen des Autors, sondern in unserem...Aus dem einfachen Grund, weil es da draußen ziemlich viele Idioten gibt, die mit Meinungen ein ziemliches Problem haben.
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