[dropcap size=big]I[/dropcap]ch muss da mal was zugeben. Ich bin Rassist. Ist nicht einfach, aber man muss ja irgendwann auch mal zu dem stehen, was man ist. Bei den meisten deutschsprachigen Liedermachern überläuft mich nämlich ein Grauen, das ich noch nicht mal auf dem Wacken-Zeltplatz verspürt habe. Wenn ich schon an sie denke, diese dickbackigen Philipp Poisels, mit ihren hässlichen Strickpullis, den Wurstfingern an der Discount-Gitarre und ihrem „Verbalerbrochenem“, würde ich am liebsten mit einem spitzen Gegenstand so lange auf mein Hirn einstechen, bis ich das Sprachzentrum getroffen habe und diese Scheiße einfach nicht mehr verstehen kann. Selig sind die Tauben.

Clueso-Stadtrandlichter-Review

Ein großes Talent für schlechte Texte hat auch Clueso. Das Kuriose ist nur, dass das sonst niemand wahrnimmt. Sicher, eine Nation, die sonst mit den Geißens und durch Inzest zerfressenen Bauern aus Deutschlands unterster Hillbilly-Unterschicht vor dem Fernseher einschläft, mag schon bei einem fehlerfrei ausgesprochenen Satz und einem korrekt gesetzten Komma lauthals nach dem Grimme-Preis verlangen. Oder nach dem Bundesverdienstkreuz. Wie schlimm es tatsächlich um unsere heimische Musiklandschaft bestellt ist, zeigt sich in Cluesos Gewinn des „Fred-Jay“-Preises. Der wird nämlich für deutschsprachige Liedertexter vergeben. Ironie, ole ole.

 

Glückwunsch, zum Dieter Thomas-Heck Gedenkpreis!

Wollt ihr mich verarschen? Das lässt sich für mich nur so erklären, dass in der Jury unter anderem Hartmut Engler, Bushido und Dieter Thomas Heck sitzen. Und dass diese sauknapp an der Trisomie vorbei geschrammten Schlager-Zombies selbst Cluesos Wortschleim für hochtrabende Lyrik halten, wundert mich dann irgendwie wieder gar nicht.

 

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Hallo, Clüso? Ja, ich bins, Dein Gott.

Mit seinem neuen Album „Stadtrandlichter“ wird Clueso wieder von all jenen gefeiert werden, die schon die Edeka-Durchsage für pure Poesie halten, die drei Bücher in ihrer Sozialwohnung dazu benutzen, ihre wackelnden IKEA-Tische auszubalancieren. Ich reihe mich naturgemäß nicht in dieses Kuriositätenkabinett der Geschmacksverirrungen ein. Wenn ich Sätze höre wie „Auf dem Hügel steht ein Grab, keine Ahnung, wer hier starb. Manchmal hängen wir hier oben ab und toben rum“ habe ich das Gefühl, dass mein Trommelfell krampfhaft versucht, meinen Gehörgang zu verlassen.

 

Gott ist tot. Clueso hat ihn getötet!

Wäre ich gläubig, würde ich meinen Gott fragen, weshalb er mir das antut. Denn auch wenn die Wege des Herrn ja scheinbar unergründlich sind, kann er doch kein so großer Bastard sein, oder?

 

Fick Dich, ich wandere aus!

Immerhin zeigt Clueso Konsistenz und passt die Musik an diese lyrische Diarrhö an. Langweiliger, berechenbarer, gefühlloser, anspruchsloser und offensichtlich konturloser wurde deutsche Popmusik selten präsentiert – vielleicht dieser Tage noch von Kraftklub. Wie man dazu derart uninspiriert seine lausigen Amateurakkorde zupfen, wie man das Schlagzeug so sehr mit fehlender Dynamik beleidigen, wie man stumpfe Beats ohne jegliches Gefühl schrauben kann, entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Wäre es nicht alles so vorhersehbar, so glatt, so langweilig und so völlig ohne Ecken und Kanten, würde ich mich vielleicht sogar ernsthaft fragen, ob ich hier irgendwas nicht verstehe. Ob ich die Kunst nicht sehe. Doch da ist nichts. Nur eine große Leere, ein Bedeutungsvakuum, getarnt unter deutscher Liedermacherkunst. Ist das alles, Deutschland? Fick dich, ich wandere aus.

 

Unmusikalische Midlife-Crisis

Die bemüht relaxte Stimmung in „Freidrehen“ will Cro sein, ist aber nur der Versuch eines 34-Jährigen, seine langsam dünner werdenden Haare mit juveniler Unbeschwertheit zu übertünchen. „Alles leuchtet“ plätschert dermaßen sterbenslangweilig vor sich hin, dass man sich eine schwere Krankheit wünscht, um davon abgelenkt zu werden. Nicht nur hier ist der „Refrain“ ein schlechter Witz, der im Halse stecken bleibt. Wie ein Hitler-Kalauer in Bergen-Belsen. Und dann erst „Wach auf“. Süß, er versucht sich an einer souligen Katernummer. Wow, Clueso, du hast mal gesoffen. Komm drauf klar, Mann, das geht uns jeden Morgen so. Nur weil du drei Radler getrunken hast, musst du doch nicht gleich einen schlechten Song darüber schreiben.

 

Pubertärer Fremdschämfaktor a la RTL

Mal unter uns: Texte und Melodien wie diese hättest du dir selbst mit 14 nicht erlauben dürfen. Und wenn du ganz ehrlich mit dir bist, dann weißt du das auch. Hörst du diese leise Stimme in dir, Clueso? Die Stimme, die tief in dir wispert, dass das hier alles so was von mies, billig und anspruchslos zusammengeschustert ist? Wie kommst du damit klar? Wahrscheinlich heulst du dich bei Udo Lindenberg aus. Mit dem verstehst du dich ja so gut, dass du mal wieder einen Song mit ihm „eingesungen“ hast. Und Glückwunsch – damit sprengst du wirklich jeden bereits zuvor sorgsam kultivierten Fremdschämfaktor. Das toppt nur noch „Schwiegertochter gesucht“.

 

P.S. Natürlich wird „Stadtrandlichter“ ein Erfolg. Ein ziemlich großer sogar. Das ist „Schwiegertochter gesucht“ aber auch. Und da wundert sich noch jemand über den Erfolg der AfD.