Dioramic-Supra-ReviewInternetpornos sind etwas Wunderbares. Sie sind kostenlos, sie erfüllen fast alle Gelüste – so krank diese auch sein mögen – und sie sind immer „richtig lieb“ zu Dir. Egal, wie scheiße Du auch aussiehst. Das Problem mit den allseits beliebten Nackedeifilmchen: sie verändern Deine Wahrnehmung von Intimität, Deine Vorstellung von Liebeszeremonie und vor allen Dingen Deine wahren Schönheitsideale. Nach einem ordentlichen Hardcore-Fünfminüter ist es auch einfach schwer, bei der celluliten Realität neben sich im Bett noch einen rechten Winkel zeichnen zu können. Und Dioramic? Die sind sind wie das erste Mal Milfhunter. Nach nur einer Folge ist keine Mutti im Supermarkt vor Deiner Fantasie sicher, Müsliregale werden zur knusprig-anzüglichen Liebeskulisse und jedes noch so abwegige Nahrungsmittel wird kurzerhand zum Phallus erklärt. Oder mit anderen Worten: ich kann bei irgendwelchen Scheißbands einfach keinen mehr hochbekommen. Dioramic sind für mich nicht Arkadi Zaslavski, Max Nicklas, Alex Mauch, Fabian Geib und Paul Seidel. Für mich heißen die Buben ab sofort Dolly Buster, Kelly Trump, Mia Gold, Teresa Orlowski und Vivian Schmitt. Ja, diese Band verändert die Realtität. Hose auf… für Dioramic:

 

Die Songs der „Pfälzer Buwä“ sind wie ein auditiver Cumshot. Scheiß auf die Handlung, scheiß auf die Weiber, was am Ende zählt, sind diese paar Sekunden wahren Glücks. Und genau dieser ejakulative Aspekt macht diese Platte so stark: Diese Nuancen, diese kurzen Momente, wenn der düstere, schwere Vorhang aus groovigen Riffs und donnerndem Geschrei aufzieht und ein kleines Paradies authentischer Intimität zum Vorschein kommt.

Geradezu gefühlsnackelig wandert man dann durch ein buntes, fast schon fröhliches Tal voller Harmonien, choraler Gesänge und catchiger Hooklines, immer in der Hoffnung, man könnte nun endlich den scheiß Apfel pflücken und Eva ordentlich gegen den Baum bumsen. Aber wie auch schon im ersten Reinraus-Szenario menschlicher Zeitrechnung, entpuppen sich Dioramic als wahre Schlange.

 

Hast Du noch Batterien für den Dildo?

So sehr Songs wie „The Storm“ oder „Big Pump“ in sich aufgehen, stellenweise fast schon lieblich anmuten, umso fester beißen die Pfälzer zu und injizieren ihren Giftcocktail aus Hass, Zorn und Verzweiflung. „Supra“ ist eine Platte der Gegensätze, dieser eine Film auf Pornhub, der Dir die geilsten Titten und die heißesten Ärsche verspricht, nur um sich hinterher als preisgekröntes Tranny-Best-Of zu entpuppen. Das gekonnte Penetrieren mit dem Erwartungsdildo beherrschen Dioramic wie keine zweite Band unseres Landes.

 

Hm, was ein leckerer Haufen…

Um einen großen Denker unserer Zeit zu zitieren (Bernd S. aus Finsdorf): „Wenn man mir einen Haufen vor die Nase setzt, kann ich eben nicht sagen ‘das ist aber mal lecker Schokoladenpudding’.“ Und wenn man mir so etwas wie „Supra“ vorsetzt, kann ich auch nicht so tun, als würde ich nicht feiern und vor allen Dingen ab (Florian F. H. aus E.)! „Supra“ ist nämlich die Antwort auf die Frage, ob deutsche Bands überhaupt rocken können – und das auch intelligent.

Was das Brüderchen von „Superstar-DJ“ Zedd („Stay the Night“, „Clarity“) – der diese Platte übrigens noch eingetrommelt hat – und seine Kumpanen hier abziehen, ist nichts anderes als das dreiste Zelebrieren musikalischer Stellungen: Hartes Riffing, dass einen von hinten nimmt, zarte Melodien, die einen lieblich umgarnen und Breakdowns, die einem regelrecht ins Gesicht spritzen. Und das Schönste hierbei: Dioramic sind standhaft und kommen gleich mehrmals. Aus jedem Riff, aus jeder Hook holen die Pfälzer den letzten Tropfen heraus und köcheln so eine Essenz aus unabstreitbaren Einflüssen wie Muse oder Periphery, die ein Suchtpotential entwickelt, das man so von keiner deutschen Band erwartet hätte. „Supra“ ist schlichtweg eine moderne Metal-Oper, eine wahre Songwriter-Orgie. Da können dann auch andere ambitionierte Projekte wie The Tidal Sleep die Hose wieder zu machen.

 

Das? Ähm, das sind Milchflecken!

Fast drei Jahre hat es gedauert, bis diese Platte im Kasten war und Meisterproduzent Kurt Ebelhäuser dieses Baby gemischt hat – was auf den plötzlichen Durchbruch von Drummer „Zedd“ zurückzuführen ist. Aber das Ergebnis ist eine Wucht. Auch wenn Sänger Arkadis Englisch die Pfälzer Note nicht immer abstreifen kann, die ein oder andere Harmonie nicht immer den Gesetzen menschlicher Hörgewohnheiten folgen möchte – Dioramic gehen musikalisch locker als US-amerikanischer Hype-Act durch. Oder als diese eine Pornobratze, zu der man mindestens wöchentlich onaniert, aber sobald deren Namen fällt, man sofort den bibelfesten Anti-Handanleger mimt. „Supra“ rein und Taschentücher raus. Aber heute heißt es wieder Onanieren mit Stil!

P.S. Dioramic sind derzeit wohl die ambitionierteste (sexieste) Band unseres Landes. Fuck Yeah, Baby!