Frittenbude-Das-Küken-des-Orion-Review

Eine Armee von Weltraumküken galoppiert auf gezähmten Lamas am kalifornischen Ostseestrand entlang und huldigt dem King of Pop – all hail, Michael! Die Pommesbrutzler deines Vertrauens wollen abermals zeigen, dass sie keine stürzenden Helden auf dem Schlachtfeld des schändlich überfüllten Musikbiz sind. So da wie noch nie oder Ruhm, der zu Staub zerfällt?

 

Wer jetzt wissen will, ob der Autor einen Schlaganfall beim Schreiben hatte, schaut sich die Tracklist des neuen Albums „Küken des Orion“ an – na, merkta schon wat? Wer allerdings Bock hat zu erfahren, wie sich das nächste Sternchen im lustigen Tiermetapher-Universum der Exil-Bajuwaren anhört, der liest gefälligst weiter – aber zz!

 

Einmal Stäbchen von der Kartoffel an Tomatenjus, bitte!

Jetzt mal Butter bei die Fische und die Fritten ins Fett. Viel hat sich an dem wohlbekannten Sound der drei Jungs von der Fritteuse nicht verändert. Auch auf dem neuesten Langspieler werden saftige Bässe zu knackfrischen Synthie-Sounds serviert. Nur der Ton mutet sanfter an als das heisere Gebell aus der durchschnittlichen Kirmes-Fressmeile. Flüssig wechseln die Songs zwischen Sprech- und Gesang und klingen dabei oft mehr melancholisch und sehnsüchtig als Titel wie „Rave ist kein Hobby“ vermuten lassen.

 

„Also ich bin das Küken und er ist das Lama! – Aber Fritten seid ihr beide? – Genau!“

 

Könnte ich noch etwas Glitzer auf meine Pommes Schranke bekommen?

Diese Textstelle aus „Mindestens in 1000 Jahren“ – dem wohl größten Hit der Gruppe – kommt mir instinktiv in den Kopf, als ich das neue Werk zum ersten Mal durch höre. Maßlos verkackt ist es ganz sicher nicht und ein hektischer Umbruch zur Anbiederung an modische Strömungen ist weit und breit nicht zu erkennen. Fast schon Mantras gleichende Refrains, die fluffig über die Theke gereicht werden, als wären sie die 20-Cent-Marshmallow-Maus aus den durchsichtigen Plastikboxen im Fenster direkt neben der Ausgabe… das ist es, was schon im vorangegangenen Streichelzoo um die Werke „Nachtigall“, „Katzengold“ und „Delfinarium“ charakteristisch war.

 

„[…] in 1000 Jahren sind wir Klassik / selbst wenn wir’s maßlos verkacken ziehen wir unser Ding durch[…]

 

1000-jährige Eier schmecken halt auch nur moderig

Was haben Glitzer in der Tanze schmeißen, Trekkingsandalen, Tribals und Imbiss-Pop gemeinsam? Richtig. Sie alle waren auch schon mal cooler als jetzt. Entgegen der landläufigen Meinung wird nicht alles besser, indem es mit Geduld über die Jahre reift. Deswegen hier meine Liste der Dinge, die mit dem Alter besser werden: Scotch, Wein, Höhlenkäse und Jack Nickolson. Alles andere (und dazu zählt auch der Frittenbude-Sound) sollte nicht zu stark abgehangen sein, weil sonst die Aromen verloren gehen. Die Fritten von Burger King sind ja auch besser als die von McDonalds. Und Warum? Genau, weil sie knackiger sind.

 

„Diese Straße sie führt dich irgendwohin. Vielleicht führt sie dich aber auch nirgendwohin.“

 

Das extraterrestrische Glitzer-Ei, das uns die Spaceküken from Otter Space da ins Nest gelegt haben, lässt Innovation und Ambition vermissen und verlässt sich zu stark auf das oben schon angeführte Zitat. Nicht alles wird mit der Zeit Klassik. Manches wird auch einfach nur alt.

Liebhaber und glühende Fans des Trios werden den altbekannten Sound und die vertrauten Klänge sicher maßlos abfeiern und meinen Arsch vermutlich auf den Mond wünschen, aber mit Spaceküken verhält es sich wie mit Galaxy-Leggins – die werden einfach nie so richtig cool sein.