Unter Singer-Songwritern stellen wir uns mittlerweile nur noch zwei Typen vor: Zum einen die klassische Muttertags-Heulsuse aus Schweden, die bei jedem Sonnenuntergang heulend irgendwas mit ihre handgeschnitzten Gitarre zuppelt, oder das schlecht geschminkte Emo-Chick, das sich jahrelang im Keller – im Takt – den Namen der verflossenen Kindergartenliebe in den Arm ritzt. Mit Nessi eröffnen sich ganz neue Welten: Taffe Mieze aus Berlin mit Jessie J-Gedächnisfrisur samt einer Vorliebe für fleischloses Happa-Happa und die fröhliche Farbe Schwarz. Ob sie einen Freund im Kindergarten hatte, wissen wir nicht, aber hacken findet sie ganz gut #DiesesGirlIstZutätowiert

 

Erzähl uns bitte etwas über dein Album. Gab es lustige oder besondere Erlebnisse während der Aufnahmen?

Generell hatten wir nicht sehr viel Zeit zum Aufnehmen – es gibt ja Künstler, die sich ein halbes Jahr Zeit nehmen um ein Album aufzunehmen und wir hatten ca. zweieinhalb Wochen. Ich glaube, ein fast tägliches Highlight war, dass wir vom Studio in die „Berlin Tag und Nacht“-Wohnung schauen konnten, das war dann wie fernsehen.

 

Wie viele Tattoos hast du? Und was für eine Bedeutung haben sie für dich?

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, ich habe eben mittlerweile ein paar mehr. Ich habe eigentlich nur Tattoos, die eine längere Geschichte erzählen. Viel über Familie, Freunde, Musik und Erlebnisse. Natürlich habe ich aber auch das eine oder andere sinnlose Tattoo, haha.

 

Wenn du dir ein Tattoo stechen müsstest, das für deine Musik steht: Wie würde es aussehen?

Man kann sich nie genug Tattoos stechen lassen, die die Liebe zur Musik unterstützen. Ich möchte mir eigentlich demnächst „RWTP“ also die Abkürzung zu „Rolling with the Punches“ tättowieren lassen, da das Album für mich schon ein sehr sehr großer Schritt in die richtige Richtung ist.

 

 

 

“Vegan sein ist nicht so hippiesque wie viele denken.”

 

 

 

Was hat dich damals eigentlich von Hamburg nach Berlin geführt?

Es gab nichts bestimmtes, ich habe nie geplant, nach Berlin zu gehen. Ich hatte in Hamburg einfach nichts mehr, was mich hält, außerdem war eine Freundin von mir nach Berlin gezogen. Dann hab ich gedacht, „Mach ich auch“, habe innerhalb von zwei Wochen alle Zelte abgebrochen und bin nach Berlin. Heute kann ich mir eigentlich auch nicht erklären, wieso ich das damals so gemacht habe, total ohne irgendeinen Plan.

 

Über welchen Ratschlag bist du besonders dankbar?

Vergleiche dich nicht mit anderen!

 

Worüber kann man sich gut mit dir streiten?

Ach ich mag es eigentlich lieber, wenn alle nett zueinander sind. Ich diskutiere aber über viele Themen gerne mal.

 

Du bist Veganerin. Wie kam es dazu? Streitest du mit deinen Freunden am Grill?

Gleich vorweg finde ich es lustig, dass es immer ein Thema ist, dass ich vegan lebe. Ich finde das natürlich super, aber ich habe noch nie ein Interview gelesen, wo die Frage „Du isst ja Fleisch und trinkst Milch“ aufgetreten ist. Ich habe mich mit 15 dazu entschlossen, Vegetarierin zu werden und wusste aber gar nicht wirklich, warum. Mit 18/19, als ich dann nach Berlin kam, habe ich mich dann mit dem Thema Veganismus auseinandergesetzt und fand Vegetarier sein einfach falsch für mich. Ich konnte den Vegetarismus nicht mehr vertreten und habe mich dann dazu entschieden, vegan zu leben. Ich streite generell nicht mit Freunden am Grill – ich verurteile niemanden, der anders isst oder sage „Iiih, du grillst ja Fleisch!“. Natürlich stimme ich Fleischkonsum et cetera. nicht zu, aber deswegen habe ich trotzdem kein Recht, jemanden zu verurteilen. Es ist jedem selbst überlassen, wie und was er isst. Ich mache auch keine Umstände in Restaurants mit Freunden, dann ist es halt mal ein Salat, oder meine Fleisch essenden Freunde kommen mal mit in ein veganes Restaurant. Beim Grillen bring ich mein eigenes Grillschälchen mit. Vegan sein ist auch nicht so schwer und hippiesque wie viele denken.

 

 

“Ich bin bestimmt oft nervig oder launisch.”

 

 

 

Zu welchem Drink stürzt man am besten mit dir ab? Und welche Musik läuft dazu?

Don Papa Rum, musikalisch untermalt von Elliott Smith und The National.

 

Was ist dein Lieblingskleiderstück?

Ich habe keinen ausgeprägten Sinn für Fashion und fast alle meine Klamotten sind schwarz – ich würde demnach sagen: schwarze Jeans!

 

Mit welcher Eigenschaft bringst du deine Freunde auf die Palme?

Ich bin bestimmt oft nervig oder launisch, aber oft kriege ich einen auf den Deckel dafür, dass ich nicht weggehen will und lieber zu Hause einen Film schaue.

 

Optisch erinnerst du an Jessie J. Ist sie eine Inspiration für dich?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich Jessie J nicht kannte, bevor ich meine Haare abgeschnitten habe. Mir haben dann einige Leute gesagt, dass ich wie sie aussehe. Ich hab sie dann mal gegoogelt und kannte ein, zwei Ihrer Songs aus dem Radio, mehr verbinde ich mit ihr aber nicht.

 

Du warst mit Pete Doherty auf Tour. Gibt es da einen besonderes Erlebnis mit ihm, das du damit verbindest?

Das war eine sehr coole Tour auf jeden Fall. Wir haben uns sehr gut unterhalten und Pete ist ein wirklich netter Typ.

 

 

Also, zumindest da hätten wir uns ein wenig mehr erhofft. Aber manchmal sagt ein Schweigen ja mehr als tausend Worte.