Wir Babys sind ja eigentlich besser bekannt als Botschafter der Liebe. Unser Hass wird missverstanden. Missverstanden von abertausenden! Lesern, die nicht in der Lage sind, zwischen den Zeilen zu lesen und schneller mit Abmahnungsklagen um sich werfen als Akif Pirinçci mit KZ-Witzen. Ja, wir mögen eine harte Schale haben, ja unser Kern mag weit darunter vergraben sein. Aber im tiefsten Grunde unseres oft gebrochenen Herzens sind wir gute Menschen. Wanda haben es da einfacher. Da können die Wildlederjacken noch so müffeln, da können bandintern noch so viele Wetten ausgefochten werden, wer mehr Zigaretten schafft, ohne zu blinzeln. Die Ösis sind nicht nur die nah und fern anerkannte Band der Stunde, sie bleiben auch auf ihrem zweiten Album „Bussi“ die ganz großen Verfechter der Liebe. Amore und all das, ihr wisst schon. Dass das manchmal zu verwandschaftsgradbedingten Dilemmas kommt, ist natürlich nicht zu verhindern, liefert der Band aber immerhin jede Menge kinky Stoff für ihre schnoddrigen kleinen Liebeslieder. Inzest, Baby! Die Band der Liebe trifft auf das Magazin der Liebe, viel schiefgehen kann da dementsprechend nicht. Zumal es nicht um Musik gehen soll. Über die wird anderswo genug geschrieben, obwohl es gar nicht so viel über sie zu sagen gibt.

 

Wir Babys halten es ja eher mit Romano und ’nem schönen Klaps auf den Po, ihr scheint eher Knutscher zu sein. Wem hast du zuletzt ein Bussi gegeben?

Gestern morgen um vier Uhr früh – einem Fernsehmoderator in einer dieser Morgenshows.

 

Und mit wem würdest du gern mal in aller Ruhe eine Fluppe rauchen und den einen oder anderen Schnaps kippen?

Ich lerne zwar derzeit ständig neue Menschen kennen, aber wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann mit einer schönen Frau.

 

Ihr habt euch oft und gern mit Zigaretten und Alk ablichten lassen. Wann geht das Management auf die Barrikade?

Das Interessante ist, dass uns in unserem Umfeld niemand verändern will. Das ist ja auch der Grund, weshalb wir das alles hier überhaupt machen. Wir hätten nie mit jemandem zusammengearbeitet, wenn wir das Gefühl gehabt hätten, man will uns verändern. Es scheint, dass die Leute uns so wollen, wie wir sind. Und mal nebenbei: Wir verkörpern ja auch keinen allzu heftigen Lebensstil.

 

„…bin ja nicht geisteskrank!“

 

Ist es möglich, als Rock-Musiker heute noch einen richtig verrufenen Ruf aufzubauen?

Weiß ich nicht, interessiert mich aber auch nicht. (lacht kurz) Mich interessiert es nicht, ein gewisses Bild nach außen zu kommunizieren. Natürlich stehe ich in der Öffentlichkeit, und daraus ergibt sich auch ein Bild. Mit diesem Bild habe ich aber nichts zu tun.

 

Es ist dir also egal, wie du dargestellt wirst?

Ich lese so gut wie nichts, was über uns geschrieben wird. Einmal in der Woche steckt mir unser Manager einen besonders interessanten oder gelungenen Artikel zu. Darin tauchen Fragen über unser Image gar nicht erst auf. So etwas würde ich aber eh nicht lesen, ich bin ja nicht geisteskrank!

 

Ihr vereint zügellosen Rock’n’Roll auf der einen mit eurem Engagement für Flüchtlinge auf der anderen Seite…

Also, für Flüchtlinge setzen wir uns nun wirklich nicht ein, da tun wir genau so wenig wie alle anderen. Wir haben uns mit Wanda nur positioniert und wollen Flüchtlinge Willkommen heißen.

 

„…längst verhärtete Fronten!“

 

Als Band, der diese Aufmerksamkeit zukommt, nutzt ihr aber dennoch ganz gezielt die Stimme, die ihr habt.

Ich weiß nicht, ich sehe das eher pessimistisch. Wir haben längst verhärtete Fronten, da haben wir kaum eine Bedeutung. Aber natürlich sage ich das nur von innen, wie es von außen aussieht, kann ich nicht sagen.

 

Von außen wirkt ihr sehr selbstsicher, habt in der Vergangenheit auch das eine oder andere Mal betont, furchtlos zu sein.

Ja, das stimmt aber nicht. Wir haben immer noch Angst, das ist das Hauptproblem. Ich rede so viel Blödsinn und werde dann im nächsten Interview auf meinen Blödsinn angesprochen, wirklich furchtbar. Wahrscheinlich hatte ich irgendeinen Hitlerkomplex, als ich meinte, wir seien furchtlos.

 

„Die Leute sangen mit…“

 

Und was ist mit der Aussage, dass ihr schon vor dem ersten Album wusstet, dass es was wird mit der Karriere?

Die stimmt noch immer. Wir wussten, dass die Lieder gut sind. Schon in Wien vor 20 Leuten in kleinen Kellerlokalen merkten wir, dass das was Besonderes war. Die Leute sangen mit, obwohl es noch kein Album von uns gab.

 

Würdet ihr jemals wieder mit Kraftklub auf Tour gehen?

Ich glaube nicht, nein. Wir haben sehr viel von ihnen gelernt – vor allem, dass man auch am Boden bleiben kann, wenn man richtig erfolgreich ist.

 

Würdet ihr gewisse Konzertangebote ausschließen, weil sie euch zu sehr gegen den Strich gehen? Oktoberfest beispielsweise?

Wir schließen niemanden aus. Spontan fällt mir nichts ein, wo ich nicht spielen würde.

 

„…faul im Bett herumliegen…“

 

Das habt ihr ja eigentlich auch schon deutlich gemacht, im Grunde seid ihr seit der Veröffentlichung von „Amore“ durchgehend auf Tour. Eine Pause gab es bisher nicht?

Nein, ich hatte seither vielleicht zehn Tage, an denen ich nicht gearbeitet habe.

 

Und an denen hast du was gemacht?

Na, faul im Bett herumliegen und aus dem Fenster starren.