[dropcap size=big]R[/dropcap]ap muss Straße sein – um real zu wirken und Credibilty und Props zu bekommen. Richtig? Nicht so ganz: I Salute (oder Sören, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt) braucht keine Drive-Bys und Königsketten, um authentischen Rap zu machen. Gerade weil er alles mehrfach überdenkt und keine Kompromisse bei seiner Kunst eingeht, bleibt er sich treu und zeigt, dass Rap auch experimentell sein kann. Angenehm! Und dass er während des Interviews beinahe an einer Nussecke erstickt, unterstreicht ja irgendwie nur, dass auch Sörens Art, real zu sein, so einige Risiken birgt.

 

Dumme Frage: Wie kommt man eigentlich von einer Indie-Band zum Hip-Hop?

“Eigentlich ist es andersrum. Ich habe früh angefangen, zu freestylen und Texte zu schreiben. Aber da ist noch nichts passiert. Passiert ist echt was, als ein paar Jungs auf mich zukamen, die alle sieben Jahre älter waren als ich, und mich gefragt haben, ob ich nicht Bock hätte, in ihrer Band zu spielen. Daraus entstanden sind dann Empty Guns – quasi das Gegenstück zum klassischen Hip-Hop Marke Aggro Berlin.”

 

Nachdem wir so kläglich daran gescheitert sind, To Nothing But You in Worte zu fassen, würden wir Dich ganz schäbig bitten wollen, uns aus der Patsche zu helfen!

“Bisher bin ich selbst noch total überrascht vom Ergebnis. Sowohl vom Sound, als auch von all den Dingen, die um dieses Album passiert sind: Wir haben eigentlich einfach nur drauflos geschrieben. Das war ein total naiver Run ins Blaue! Wenn ich aber jetzt auf diese Platte blicke, würde ich sie wohl als experimentellen Hip-Hop beschreiben.”

 

“…Es geht nur um die reine Selbstverwirklichung.”

 

Du bist ja eher der scheue Typ. Kannst Du Dir  da vorstellen, mit einem anderen Act zusammenzuarbeiten?

“Generell habe ich erst mal Bock, so viel wie möglich alleine zu machen. Ich habe ziemlich klare Vorstellungen und daher Angst, ein Partner könnte mir einen Strich durch die Rechnung machen. Bock hätte ich aber auf Muso aus Hamburg. Unglaublich interessanter Style und super spannende Wörter – und eine krasse Verwendung der deutschen Sprache. Das ist auch, was mich reizt. Das Spielen mit Sprache, wie auch Curse es macht, fasziniert mich total. Curse und „Von Innen nach Außen“ waren der Grund, warum ich Rap intensiviert habe. Dass so was möglich ist, hat mich damals nachhaltig beeindruckt. Curse ist einfach ein krasser Motherfucker.”

I Salute Interview
Daran wäre I Salute fast gestorben.

 

Wie willst Du mit Deiner Musik am liebsten auffallen?

“Mein Auffallen ist eher das Understatement. Nicht auffallen, um aufzufallen. Kunst ist meine Selbstverwirklichung, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen für mich hat. Ich will mich einfach abheben, ohne zu dissen und Leuten auf die Füße zu treten. Ich stelle mich eher ins Abseits und mache irgendwas Diffuses, bis sich Leute umdrehen und darauf aufmerksam werden.”

 

Wen grüßt oder wem salutierst Du mit Deinem Namen I Salute?

“Ich habe mir ganz bewusst diesen Namen ausgesucht, damit mich keiner direkt ansprechen kann. „Yo, I Salute“, das sagt ja keiner. I Salute ist auch diese positive Message an alles, was wir so machen. Lieber etwas feiern, als etwas schlecht finden. Ganz bewusst den schwierigeren Weg gehen. Lieber der schwierigere Reim, als der einfache und lieber wochenlang überlegen und arbeiten, als Kompromisse einzugehen.”

 

Also passt der Name und die Kombination sehr gut in dieses experimentelle Konzept Deiner Musik?

“Genau! Ich mag es, die Leute ein bisschen zu ärgern und herauszufordern. Man muss sich mit mir beschäftigen, um meine Sachen zu verstehen. Für Leute, die nur schnell drüber hören, ist das nichts. Ganz bewusst setzen wir auch Cuts genau in dem Moment, wenn die Leute sich in dem Track wohlfühlen. Musik rauscht oft einfach so vorbei, und genau das wollen wir nicht.”

“…Auf Massenveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten sind die meisten Menschen ziemlich egoistisch.”

 

Erfahrungsgemäß ist da dann aber auch nicht die große Knete drin.

“Es geht nur um die reine Selbstverwirklichung. Es kommt nur darauf an, dass wir etwas feiern und groovy finden. Wir würden niemals einen Song produzieren, nur damit er funktioniert. Ich muss mir nicht über die Folgen von etwas klar sein – es ist mir egal, ob ich 30 oder 3000 verkaufe. Ich will einfach zufrieden sein mit dem, was ich mache.”

 

Da Du in Berlin wohnst und sicher die landläufige Meinung über Zugezogene [maskulin wie feminin – die Street-Cred-Babys] in den Szenebezirken kennst, würden wir von Dir gerne einen wirklich akzeptablen Grund hören, nach Berlin zu ziehen!

“Ich kann dir meinen Grund sagen. Durch die Strukturschwäche unserer Heimat hat sich der Lebensmittelpunkt verschoben. Es geht mir nicht um die Stadt, sondern um das Umfeld und um die Menschen. Ein sehr großer Teil meiner Leute leben mittlerweile in Berlin – und darum geht es. Ich bin also nicht nach Berlin gezogen, weil die Stadt total cool ist, sondern mit meinem Umfeld mitgegangen.”

 

Du meidest Weihnachtsmärkte und andere Menschenmengen. Wie handhabst Du denn dann bloß Auftritte?

“Der Unterschied ist, dass auf solchen Auftritten meist viele gleichgesinnte Menschen zusammenkommen. Auf Massenveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten sind die meisten Menschen ziemlich egoistisch und dann auch noch total voll. Ich selbst trinke eigentlich nie Alkohol. Höchstens mal ein Radler. Der Typ Mensch, oder die Art der Masse an sich, ist also eher das Problem.”