Feuilleton-Wochen bei IgittBaby! Heute kümmern wir uns mal wieder um eine Band, anhand derer schon bald wieder einige unfähige Musikkritiker von der Süddeutschen oder Spiegel Online ihr Spartenwissen und ihren Insiderstatus demonstrieren wollen. Haben sie natürlich nicht, also picken sie sich gern diese Bands raus, die unter echten Insidern längst raunend weitergereicht werden. Łinie zum Beispiel. Die Hamburger lärmen sich durch eine schwer kategorisierbare Mischung aus Stoner, Noise Rock und experimentelle Alternative-Ansätze, tragen einen gewissen Nihilismus in sich, der auch Swans gefallen dürfte, und haben mit „What We Make Our Demons Do“ ein vorzüglich-tristes Album vorgelegt. So aus dem Stand. Weil Łinie in ihrer Freizeit bestimmt auch mit dem einen oder anderen Dämon zu ringen haben und es um ihr Innenleben eh hoffnungslos bestellt ist, haben wir uns dazu entschlossen, eine Runde Phrasentennsis zum Thema Dämonen, Tod, Menschenhass und derlei hübsche Dinge zu sprechen.

 

„Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los.“

(Johann Wolfgang von Goethe)

Ein tolles Zitat. Für uns sind Dämonen jedoch nichts Negatives. Scheinbar war Goethe kein Buddhist. Denn das buddhistische Chöd-Ritual legt uns ein ganz anderes Verhalten nahe: Gib dem Dämon das, was er zutiefst braucht. Wende dich ihm zu. Versuche, seine tiefsten Bedürfnisse zu ergründen. Füttere ihn hingebungsvoll und stelle ihn ganz und gar zufrieden. Wenn du das tust, dann wirst du erleben, wie er sich wandelt und zu einem Freund und Verbündeten wird. Und uns haben unsere Dämonen dazu gebracht, dieses Album zu machen.

 

 

„I stop fighting my inner demons. We’re on the same side now.“

(Darynda Jones)

Darynda war wohl mit der Theorie vertraut oder traf instinktiv diese Entscheidung.

 

 

„I don’t hate people. I just feel better when they aren’t around.“

(Charles Bukowski)

Hass, was für ein kräftiges Wort. Mal so nebenbei. Ich kann der Einsamkeit viel Gutes abgewinnen. Es tötet zwar jegliche Möglichkeit der gesellschaftlichen Fortentwicklung, schafft aber Raum für die Kreativität. Die Frage wäre dann, was einen wohl glücklich macht. Wenn wir fünf zusammen musizieren, schaffen wir unsere eigene gemeinsame Einsamkeit. Goethe sagte mal: „Selig, wer sich vor der Welt, Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält. Und mit dem genießt!“ Das passt, finde ich.

 

 

„Men who fear demons see demons everywhere.“

(Brom)

Ja aber dagegen gibt es ja Medikamente. „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element“ sagten Mephisto und Fassbinder. Ich glaube, Angst ist neben der Erkenntnis, Dinge zu meiden, ein großartiges Mittel, um Entfaltung besser wahr zu nehmen.

 

 

„He who has rejected his demons badgers us to death with his angels.“

(Henri Michaux)

Oh ja, solche Leute kenne ich auch. Der Schein des Seins. Furchtbar. Ich halte solche Menschen für gefährlich – und nicht nur, weil Langeweile einen auch töten kann.

 

 

„But who prays for Satan? Who, in eighteen centuries, has had the common humanity to pray for the one sinner that needed it most?“

(Mark Twain)

Wenn Gott oder Teufel deine Antwort sind, dann stellst du die falschen Fragen.

 

 

„Homo homini lupus.“

(Plautus)

Der Mensch ist der Virus des Planeten. Das wissen sogar Programme.

 

 

„Living is what scares me. Dying is easy.“

(Charles Manson)

Charles Manson, ein echter Lebensfreund.

 

 

„You must learn to exist with no religion, no country, no allies. You must learn to live alone in silence.“

(William S. Burroughs)

Hier kann sich Herr Burroughs ja mit Herrn Bukowski zusammen tun. Ich glaube, die beiden passen eh ganz gut zusammen und haben bestimmt auch mal das ein oder andere Kaltgetränk zusammen eingenommen. In diesem Sinn: „Glück ist nur echt, wenn man es teilt.“ (Christopher McCandless)

 

 

„We die only once, and for such a long time.“

(Molière)

Ja wir sind wohl länger tot als wir leben. Deswegen, Leute: „Choose life. Choose a job. Choose a career. Choose a family. Choose a fucking big television, Choose washing machines, cars, compact disc players, and electrical tin can openers. Choose good health, low cholesterol and dental insurance. Choose fixed-interest mortgage repayments. Choose a starter home. Choose your friends. Choose leisure wear and matching luggage. Choose a three piece suite on hire purchase in a range of fucking fabrics. Choose DIY and wondering who the fuck you are on a Sunday morning. Choose sitting on that couch watching mind-numbing spirit-crushing game shows, stuffing fucking junk food into your mouth. Choose rotting away at the end of it all, pishing your last in a miserable home, nothing more than an embarrassment to the selfish, fucked-up brats you have spawned to replace yourself. Choose your future. Choose life…“ (Irvine Welsh, „Trainspotting“)

 

Richtige Gute-Laune-Garanten, diese Łinie. Tja, wer Rasierklingen frühstückt, pisst nun mal Blut. Und wer so denkt wie Łinie fabriziert ein verstörend gutes Album wie „What We Make Our Demons Do“. Aber das könnt ihr bestimmt demnächst im Feuilleton nachlesen. Als Entdeckung der Stunde. Wir sagen nur: Album kommt am 31. Juli, holen!