Geht das eigentlich, erfolgreicher Musiker ohne jegliches Quäntchen Selbstvertrauen? Anthony Gonzales von M83 behauptet: Natürlich geht das, Du Eumel. Aber wer es schafft, auf seinem Bombast-Elektro-Album Gitarrenfuddler wie Steve Vai zu versammeln, dem glaubt man das eben.

 

… Und? Gutes Album?

Hinter jedem meiner bisherigen Alben steckte ein klares Konzept, aber diesmal ist das nicht so. Ich wollte verschiedene Musikstile vereinen. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, die Hörer an einen neuen Ort mitzunehmen anstatt die Reise des letzten Albums zu wiederholen. Ich versuche immer, mich nicht zu wiederholen… Jetzt war es eben an der Zeit für mich zu sagen: „Fuck off! Ich nehme jetzt ein Album auf, das niemand von mir erwartet.“

 

…Aber, aber wo ist der Bombast geblieben?

Ja, ich wollte dieses Image der Band mit den großen, opulenten Songs aufbrechen und mich stattdessen mit etwas Frischem und Leichterem zurückmelden. Dennoch sollten einige Songs diese gewisse Melancholie und Traurigkeit transportieren. Ich wollte meinen Sound ein wenig verändern und mit anderen Künstlern arbeiten. Es gibt viele Kollaborationen auf der Platte – viel mehr als auf allen meinen bisherigen Alben. Das ist eine ziemliche Neuerung. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich selbst auf dem letzten Album zu sehr im Fokus stand. Ich wollte auf der neuen Platte quasi weniger präsent sein und nicht als der Frontmann in Erscheinung treten, weil mir diese Rolle auf dem letzten Album nicht wirklich gut gefallen hat.

 

“Niemand will der Typ sein”

 

Du sollst bei einem Duett mit Mai Lan im Studio geflennt haben!?

Ja, stimmt, aber erst als ich mir den Song nach der Aufnahme angehört habe. Ich habe also nicht vor ihren Augen geweint. Niemand will der Typ sein, der in Gegenwart einer Frau rumheult. Auf den meisten Songs der Platte singt sie auf Englisch, aber auf Französisch erinnert mich ihre Stimme an all die Sängerinnen, die ich in meiner Jugend verehrt habe. Sie klingt sehr romantisch, wenn sie auf Französisch singt.

 

Du bist aber auch so allgemein ein recht melancholiches Kerlchen, oder?

Für mich hat die Melancholie sicherlich viel mit der Melodie zu tun, aber darüber hinaus spielen die Sounds dabei auch eine sehr wichtige Rolle. Ich liebe diese 80er-Sounds. In meinen Augen liegt darin auch das Bindeglied zu meinen bisherigen Alben. Das ist einfach mein Sound. Auch wenn ich neue Sachen ausprobiere, will ich natürlich erreichen, dass die Leute erkennen, dass es sich um einen Platte von M83 handelt.

 

Ich finde ja, dass du schon ein wenig im Kitsch gebadet hast…

Das stimmt absolut! Während der Produktion des Albums haben wir sehr viel gelacht, weil wir auf einmal musikalisches Terrain betreten hatten, von dem wir nie geglaubt hätten, dass wir dort einmal landen würden… Und wenn die Leute diese Musik nicht nachvollziehen können, dann hatte ich zumindest meinen Spaß während der Aufnahmen.

 

“Und Steve stimmte zu”

 

Jetzt mal im Ernst: Wie zur Hölle ist Steve Vai auf dem Album gelandet?

Steve Vai ist einer meiner absoluten Helden. Sobald man eines seiner Soli hört, weiß man sofort, dass er es ist. Als junger Teenager hörte ich mir seine Soli an und sie klangen, als kämen sie aus der Zukunft. Dieses Gefühl wollte ich wiederbeleben. Also dachte ich mir: „Ich versuche einfach mal mein Glück und frage ihn. Mal sehen, was er dazu sagt.“ Und Steve stimmte zu. Er ist ein sehr netter und bescheidener Typ, sehr professionell und einfach nur lieb und gutmütig.

 

Also man merkt es dir nicht sofort an, aber du bist ja eigentlich ein schüchterner Typ. Wie kann man da Popstar sein?

Ich spreche nicht gern über meine Musik und über meine Person. Wenn ich unter Leuten bin und auf einmal einer meiner Songs läuft, dann muss ich fliehen und den Raum verlassen, weil ich mich einfach nicht wohlfühle. Ich mag keine Fototermine und ich mag es nicht, vorn auf der Bühne zu stehen. Ich kann das auch nicht so richtig erklären. Vielleicht habe ich zu wenig Selbstvertrauen. Aber es läuft ja ganz gut so.

 

Ja, doch, könnte man so sagen…