Fragen, die man sich stellt, wenn irgendjemand von Oomph! redet: Was, die gibt’s noch? Wieso gibt’s die noch? Wie lange gibt’s die noch? Waren das nicht die mit diesem dämlichen Kinderlied? Wieso heißt einer von denen eigentlich Crap? Was man sonst noch so alles von einer Rock-Band wissen möchte, die seit 25 Jahren Musik macht und ihr neues Album relativ subtil „XXV“ nennt, haben wir hier mal zusammengefasst. Und eines gelernt: Er existiert noch, der Mythos von Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Nur eben nicht bei Oomph!, wie Sänger Dero bereitwillig ausführt.

 

Die Geschichte von Oomph! ist ja auch die Geschichte der Wiedervereinigung, wenn man es mal historisch sieht. Welche Geschichte ist dir persönlich wichtiger?

Als Mensch und auch als Musiker bin ich nicht so wichtig, dass ich meine Karriere über dieses Ereignis stellen würde. Auch den meisten Menschen dürfte diese Geschichte wahrscheinlich deutlich mehr bedeuten als Oomph!, sage ich jetzt mal.

 

Woran merkst du, dass du mittlerweile 25 Jahre älter bist als bei Gründung der Band?

Im positiven Sinne merke ich es daran, dass ich gelassener geworden bin. Früher habe ich mich an Kleinigkeiten aufgerieben, aus Mäusen Elefanten gemacht. Das ist vorbei. Auch innerhalb der Band gibt es weniger Krach als früher. Damals rasselte es oft und heftig, weil wir sehr unterschiedlich sind, mittlerweile knirscht es auch hier nicht mehr so oft im Gebälk. Dafür jetzt eben in den Knochen.

 

Du merkst also den körperlichen Verfall?

Noch geht es. Ich bin sportlich sehr aktiv, mache Fitness-Training, spiele Fußball und laufe. Das muss sein, wenn man auf der Bühne bestehen will. Ich bin seit 28 Jahren Vegetarier, trinke seit acht Jahren keinen Alkohol mehr und habe nie geraucht. Irgendwann zahlt es sich eben doch aus, wenn man keinen Raubbau an seinem Körper betreibt.

 

 

„…das bin nur ich…“

 

 

Aber früher hast du es doch schon mal krachen lassen, oder?

Na klar, jahrzehntelang. Es bringt aber nichts, die Aftershow-Party zu wild gestalten, wenn man am nächsten Tag noch ein gutes Konzert spielen will. Außerdem gibt es Geileres, als mit einem dicken Kopf auf die Bühne zu gehen. Aber das bin nur ich, es gibt ja auch noch Typen wie Lemmy Kilmister. Obwohl ich ja langsam glaube, dass der eh nur Tee in seiner Whisky-Flasche hat.

 

Dünnes Eis, Dero. Ganz dünnes Eis!

Ich bin aber fest davon überzeugt! Andererseits wäre er schon längst im Stadium eines Malcolm Young.

 

Genug davon! Dir fallen Shows heute doch bestimmt auch schwerer als noch vor 20 Jahren.

Nö, eigentlich nicht! Damals habe ich noch Alkohol getrunken, das fällt heute weg. Ich fühle mich fit, frei und frisch, aber aufwärmen muss ich mich natürlich auch, sonst gibt’s nen steifen Nacken.

 

 

„…dafür bin ich hier…“

 

 

Was denkst du, wenn du dich mit dem Dero von 1990 vergleichst?

Dass ich mich stark verändert habe. Das ist gut, dafür bin ich hier. Viele Dinge würde ich heute anders machen, aber das ist normal.

 

Hast du Angst vor dem noch älter werden?

Bette Davis hat mal gesagt, alt werden sei nichts für Feiglinge. Man braucht schon Mut dafür, ganz klar. Aber mit Mitte 40 fühle ich mich noch längst nicht so alt. Die Ärzte, Die Toten Hosen oder Rammstein sind alle deutlich älter als wir und gehen alle noch auf Tour. Da bin ich ja noch ein richtiger Jungspund.

 

 

„…bis heute durchgehalten…“

 

 

Worauf bist du in den 25 Jahren Oomph! am meisten stolz?

Dass wir es in der Anfangsbesetzung bis heute durchgehalten haben – allen Höhen und Tiefen zum trotz.

 

„Augen auf“ war euer einziger Nummer-eins-Singlehit und euer größter Erfolg. Rückblickend betrachtet: ist der Song eher Fluch oder Segen?

Eindeutig als Segen. Ohne diesen Song würde es die Band schon lange nicht mehr geben.