[dropcap size=big]I[/dropcap]n jedem Erwachsenen steckt irgendwo noch ein Kind. Sagt man zumindest so einfach. Doch wie bei allen unüberlegt nachgeplapperten Sprichwörtern, hinkt auch dieses so gewaltig wie Kapitän Ahab. Cindy aus Mahrzahn sieht ja zum Beispiel so aus, als würde gleich eine ganze Kindertagesstätte in ihr stecken. Und diejenigen, die immer noch glauben, dass Revolverheld gute Musik machen oder U2 so nette Geschenkonkels sind, haben den Intellekt des sabbernden Muttermilchsäufers sowieso nie hinter sich gelassen. Bei Corey Taylor hingegen sieht die Sache anders aus. Schon als Kind faszinierte ihn alles Ungute und Bizarre, an Maskenmann Michael Myers aus „Halloween“ hat er früh einen besonders ungesunden Narren gefressen. Da wundert es mich nicht, dass er sich seit 20 Jahren bei Slipknot eine Maske überzieht, die genau so abstoßend ist wie ein Unheilig-Song, und immer recht ordentlich ausrastet. Wenn also ein Kind in Corey Taylor steckt, dann ein ziemlich abgefucktes. Das finden wir von IgittBaby natürlich so gut, dass wir uns unbedingt mit dem Großmaul unterhalten mussten. Slipknot, deren neues Album „.5: The Gray Chapter“ oder der Drogentod des Bassisten interessierten uns dabei allerdings nicht die Bohne. Mit diesen langweiligen Standardantworten sollen sich mal schön die anderen zufrieden geben.

 

Corey, als was verkleidest Du dich an Halloween? Also, echt jetzt.

„Dieses Jahr sind wir mit Slipknot live unterwegs, also werden wir es bandintern feiern und uns bestimmt auch etwas Besonderes einfallen lassen. Geile Masken haben wir ja eh dabei.“

 

“Drei Jahre in Folge war ich eine Art zerquetschter Zombie.”

 

Lahme Antwort! Und wie feierst Du, wenn Du zuhause bist?

„Da ziehe ich mit meinem Sohn um die Häuser und erleichtere die Nachbarschaft um tonnenweise Süßigkeiten, was denn sonst? Allerdings fürchte ich, dass er schon sehr bald ein Alter erreichen wird, in dem er damit aufhört. Er ist kürzlich zwölf geworden, und wenn ich mich recht erinnere, hörte ich mit 13 auf, mich zu verkleiden und auf Süßigkeitenjagd zu gehen. Dabei war ich ein absoluter Süßigkeitenjunkie! Ja, damals waren es tatsächlich nur Süßigkeiten…“

 

Wie bist du als Kind an Halloween rumgelaufen?

„Ich habe stets versucht, mich mit so viel Kunstblut wie nur möglich zu übergießen. Meine Eltern und meine Freunde konnten einfach nicht verstehen, was so toll daran war, so verschwenderisch mit Kunstblut und Make-up umzugehen, wo es doch so viele andere „coole“ Kostüme gab. Für mich gab es aber nichts Größeres als das – plus diverse Verbände, Bandagen und Narbenpflaster. Drei Jahre in Folge war ich eine Art zerquetschter Zombie, vor dem sich irgendwann sogar die anderen Kids zu fürchten begannen. Am liebsten wäre ich die ganze Zeit so rumgelaufen.“

 

“Unsere Kultur wendet zu viel Energie dafür auf, diese Seiten zu ignorieren.”

 

Hast du als legitimer Nachbarschaftsschreck überhaupt Süßigkeiten bekommen? Oder sind sie mit Pflöcken und Kruzifixen auf dich losgegangen?

„Süßigkeiten gab es schon, aber die Eltern der anderen Kids redeten irgendwie nie mit mir. Ich ließ meine Freunde vorgehen und die ganze Arbeit machen, irgendwann schnellte ich dann hinter einer Ecke hervor und verlange nach Süßigkeiten. Das gab mehr als einmal ordentlich Gebrüll.“

 

Schon als kleiner Junge einen Film wie „Halloween“ abzufeiern, gehört übrigens auch nicht in die Kategorie „ersguterjunge“.

„Schau dir Michael Myers doch nur mal an. Dieser Mensch begeht die schrecklichsten Gräueltaten, seiner Maske fehlt jedoch jegliche Emotion. Er ist nur ein Ding, das keine Gefühle erkennen lässt. Dieser Mangel an Mitleid, diese schreckliche Gewissheit, dass man von einer solchen Person keine Gnade erfahren wird, haben etwas ungemein Verstörendes und Anziehendes. Und darauf sind wir Menschen nicht vorbereitet. Unsere Kultur wendet zu viel Energie dafür auf, diese Seiten zu ignorieren, sie auszublenden. Ein Mörder mit Gefühlen passt da eben einfach nicht ins Bild.“

 

 

Prima, Corey, jetzt hab’ ich ein ungutes Gefühl. Noch mehr ungutes Gefühl gibt es übrigens ab dem 17.10. Dann nämlich sorgen Slipknot mit 5: The Gray Chapter für jede Menge Zeter und Mordio.