Wer zu viel nachdenkt, lebt vielleicht länger. Aber nicht besser. Sollte ich noch einen Drink bestellen? Na klar! Ob ich die Tante da hinten mal anspreche? Was denn sonst? Den Job schmeißen und als Hobo durch die Wüste wandeln? Und ob! The Temperance Movement machen vor, wie weit man mit Gedankenlosigkeit kommen kann. Die englischen Rocker denken nicht lang nach und machen einfach. Das hat sie schon mal vor den Rolling Stones spielen lassen und zu einer der musikalischen Sensationen des Landes schlechthin gemacht. Von Typen wie Gitarrist Paul Sayer können wir noch viel lernen.

 

Wie arg macht man sich eigentlich in die Hose, wenn man ein Konzert der Rolling Stones eröffnet?

Klingt komisch, aber während des Auftritts gar nicht so arg. Erst als wir wieder von der Bühne gingen, wurde mir eigentlich so richtig klar, was da gerade passiert war. Das war aber auch ganz gut so. Hätte ich zu viel darüber nachgedacht, wäre ich wahrscheinlich auf der Bühne in Ohnmacht gefallen. Oder hätte mich eingemacht.

Birne aus und ab dafür?

So oft es geht, ja. Sobald man zu viel darüber nachdenkt, leidet die Musik.

 

Klingt eigentlich viel zu simpel für ein Erfolgsrezept.

Mehr ist es aber nicht. Da draußen gibt es tonnenweise gute Bands, die allesamt viel mehr Erfolg verdient hätten und wahrscheinlich auch besser sind als wir. Was soll ich sagen? Wir sind eben ehrlich. Was wir sagen, meinen wir auch so, und aus irgendeinem Grund kommt das auch bei den Leuten an.

 
 

“… Wie cheesy das klingt.”

 
 

Dazu ist meist nötig, dass sich die Bandmitglieder ihr halbes Leben kennen. Ihr hingegen spielt erst ein paar Jährchen zusammen. Erklärst du das jetzt mit dem besonderen Zauber einer Band?

Na klar! Wir merkten schon früh, dass uns als Band etwas Besonderes auszeichnete. Wir wussten eben nur nicht, ob das der Rest der Welt genauso sehen würde, ha! Als wir The Temperance Movement gründeten, fühlte es sich auf einmal an wie ein Nachhause kommen. All diese verschiedenen Typen, all diese verschiedenen Stile flossen da zusammen – in der Band, nach der wir alle immer gesucht hatten. Und ja – ich weiß, wie cheesy das klingt.

 

Jetzt sagst du bestimmt auch, dass es sich nach Schicksal anfühlt.

Du hast es erfasst, haha.

 

Wie geht eine Band wie The Temperance Movement denn ein neues Album an? Klampfen einstöpseln und los geht’s?

Zumindest haben wir nicht zurückgeschaut und alles und Grund und Boden analysiert. Ebenso wenig komme ich jetzt mit dem großspurigen Gelaber um die Ecke, dass wir uns musikalisch ja so sehr verändert haben und all das. Es ging uns einfach darum, ein etwas besseres Album schreiben.

 

Es wird also nie das perfekte Album geben, weil eben jedes Mal andere Dinge im Vordergrund stehen. „White Bear“ zeigt uns als die Band, die wir Zur zeit der Aufnahme waren. So werden wir nie wieder klingen. Es ist nur ein Moment in der Zeit.