Konzentration, Selbstbeherrschung, Manneskraft. Matt Heafy vereint Tugenden wie diese mit leichtem Schulterzucken und schmalem Lippentanz. Euphorie? Fehlanzeige. Der Kerl ist durch und durch durchdacht und (!) glänzt mit seherischen Fähigkeiten. Fragen zu seinem Metal-Kraftpaket Trivium hat er schon analysiert, bevor sie aus dem losen Mundwerk des unbedachten Babys stolperten. Ein Gesicht aus Beton, ein Verstand wie ein Alien – es gilt, eine harte Fassade zu brechen. Also Hosen runter! Was hast du zu verbergen, du menschgewordener Roboter vom Planeten Gliese 667Cc (tippen wir einfach mal beherzt, wo denn sonst her??)?

 

Wer ist der beste Musiker in eurer Band?

Verdammt, echt gute Frage. [für einen einzigen Moment haben die Babys Matt aus der Reserve gelockt. Kurzer Systemzusammenbruch, Restart und die Schalter zünden wieder] Paolo [Gregoletto] und Corey [Beaulieu] sind beide extrem gut in dem, was sie tun. Paolo ist einer der besten Bassisten, die ich je in einer Band gesehen habe und ein unglaublicher Songwriter. Corey ist auch ein verr¸ckt guter Shredder und er kennt sich mit Musiktheorie aus. Corey singt, Paolo schreit sehr gut. Ich sage einfach mal Paolo, Corey kriegt genug Lob als Gitarrist.

 

Wen würdest du gern als Gast auf einer deiner Platten hören?

Wir hatten gerade erst Ihsahn [alter Emperor-haudegen aus den finster-kriminellen Kirchenbrandtagen des norwegischen Black Metal – die Gruft-Babys], das war unglaublich. Er hat unser Intro gebastelt. John Petrucci mit einem Solo wäre auch echt cool.

 

Was war die dümmste Entscheidung in eurer Karriere?

Unserem alten Label zu erlauben, uns zu diktieren, wie wir uns betr¸gen sollen. Wir sollten 2003/04 bei Ascendancy das Sex-Drugs-and-RockíníRoll-Ding spielen, diese verrückten Typen. Das hat uns lächerlich gemacht und nicht dem entsprochen, wer wir wirklich sind. Vielleicht ein wenig verrückt, aber nicht so viel. Zum Glück ist das lange her. Und wir waren 17 Jahre alt, da ist ja jeder irgendwie dumm.

 

Wurdest du jemals festgenommen?

Nein.

 

„Bier aus der Region.“

 

Was ist das Verrückteste auf eurem Tourrider?

Unser Rider ist seltsam, weil er sehr gesund ist. Wir haben da Kombucha, Apfelcider-Essig, Bio-Brot und nitritfreien Aufschnitt. Eigentlich ist alles darauf bio und lokal. Normalerweise haben Bands ja Chips und Becks draufstehen. Wir wollen aber Bier aus der Region. Für meine Stimme nutzte ich lange Throat Coat oder einen Mix aus Honig, Zitrone und Ingwer. Mittlerweile habe ich nur noch ein Fläschchen Honig auf der Bühne stehen. Da nippe ich immer dran, direkt aus der Flasche. Ich dachte einfach, das wäre eine gute Idee.

 

Wer greift auf Tour morgens als erstes zur Flasche?

Keiner trinkt früh morgens bei uns. Corey gibt sich einen Wodka Red Bull oder Wodka Gatorade, bevor er auf die Bühne geht. Paolo und ich gar nichts, Mat [Madiro] auch nicht.

 

Bekommst du auf Tour Heimweh?

Na klar. Wenn wir eine lange Tour spielen und ich meine Frau lange nicht gesehen habe. Zum Glück war sie bei unserem letzten Tourzyklus mit dabei. Sie macht all die Fotos und Videos, die jeder auf unseren Social-Media-Kanülen sieht. Sie hat auch all die Layouts und Artworks für unsere neues Album gemacht und das davor und das davor.

 

„Zum Glück hat meine Frau ihr Ding…“

 

Was ist dein Tipp für eine Fernbeziehung?

Die braucht zwei Partner, die stark sind und beide ihr eigenes Leben führen. Zum Glück hat meine Frau ihr Ding, ihre Hobbys, ihr Geschäft. Wenn ich auf Tour bin oder sie weg ist, haben wir andere Dinge zu tun. Jeder Mensch braucht seine eigenen Interessen – gemeinsame wie eigenständige. Konstante Kommunikation ist auch sehr wichtig. EyeMessage, FaceTime, Skype, Viber, WhatsApp – es gibt so viele Wege.

 

Hast du noch Lampenfieber?

Niemals. Der Grund dafür ist, weil wir schon so viele Shows spielten und jedes Mal so sehr vorbereitet und geübt sind. Wenn wir’s verhauen, ärgert uns das nicht. Wir kommen gut klar mit den technischen Schwierigkeiten oder Verspielern, da lachen wir drüber. Beim Bloodstock hat Coreys Gitarre bei den ersten drei Songs nicht funktioniert. Die Stromversorgung hat seinem Amp einen Kurzschluss verpasst. Das war das erste Mal, das wir Silence In The Snow live spielten – ever! Und seine Gitarre ging nicht. Also habe nur ich gesungen und Gitarre gespielt, aber was war uns egal. Wir haben noch Witze drüber gemacht.

 

Wie würdest du sterben wollen, wenn du es dir aussuchen könntest?

In der achten Klasse habe ich immer gesagt, ich will eine Wikinger-Beerdigung. Ich würde auf einem Wikingerschiff auf einen See hinausgetragen und dann angezündet werden.

 

Ob seine Frau auch davon ein Video macht? Wir werden es wohl nie erfahren. Chips und Becks, bitte!