[dropcap size=small]L[/dropcap]iebste Musikanten, Songwriter, Phrasendrescher, Dudelbarden, Klimpermongos und Klampfenspastis. Ihr tut mir Leid! Ganz ehrlich, ich fühle mit Euch. Ihr quält Euch Tag für Tag in den Proberaum, überdenkt Riff für Riff, Zeile für Zeile, Droge für Droge und dennoch fasst Euer Facebook-Auftritt nicht mehr als 300 läppische “Mag ich”-Bekundungen. Ja, Ihr macht etwas falsch. Und das richtig! Ihr müsst dem kreativen System den Finger zeigen und es zu Eurer eigenen kleinen Schlampe machen. Wie das geht? Das zeigen Euch Kraftklub…Und ausserdem, dass “Trickbetrüger aus dem Osten” nicht stets einen polnischen Pass in der Tasche haben müssen, sondern manchmal eben auch Chemnitz im Ausweis steht. Tschuldigung’, Berlin, n’es pas!?

 

Kraftklub sind in aller Munde. Und auch ich habe diesen Namen des öfteren mit “Andersartigkeit” oder “Anarchie” in Verbindung gebracht. Bis sich nach ständigem Wiederholen auch bei mir ein recht schaler Beigeschmack einstellte. Denn wenn mir eines die Galle zu Tage fördert, dann ist es das Anbiedern an Fanboygemüter und von Typen mit einem fetten Grinsen im Gesicht so dermaßen verarscht zu werden.

 

Ein Album wie ein 6er-Pack Wollsocken

Titel geändert, ein bis vier Textzeilen umgeschrieben und das Cover einfach ins Negativ gesetzt. Kurzum darf man sagen: Herzlichen Glückwunsch, Felix und Co, zum erneuten Release Eures wirklich beeindruckenden Erstlingswerks.

Wobei, wirklich übel nehmen kann man es den Burschen ja nicht. Haben sie noch nie ein großes Geheimnis darum gemacht, dass man schon vor der Karriere auf einen Major-Deal schielte und man sich sehr wohl darüber bewusst sei, dass der Hype sehr bald wieder vorüber gehen wird. Von daher: Chapeau, ihr wisst, wo ihr steht.

Dennoch, der Hype um diese Band und um diese Platte war wie die Vorfreude auf die Geschenke am Weihnachtsabend – die mit dem Auspacken des kakifarbenen Wollsockentraums von C&A ein jähes Ende nimmt. In Schwarz ist ebenso überraschend wie der diskografische Rückblick auf Bands wie Revolverheld oder Silbermond. Man bekommt, was man erwartet.

 

kraftklub
Das aktuelle Cover lag bei der Abstimmung mit nur einer Nasenlänge vor diesem Artwork.

 

Warum das so ist, will mir einfach nicht klar werden. “Homies” wie Casper oder K.I.Z. wagen doch auch neue Schritte und haben dennoch genug Patte in der Buchse, um sich am Späti noch ein Kindl ziehen zu können. Sind Kraftklub vielleicht ein wenig zu „durstig“? Oder vielleicht doch nur „er“?

 

Abschiedskonzert im Späti?

Müsste ich Frontmann Felix Brummer mit jemandem gleichstellen, so wäre es Bernd Lucke von der AfD. Beide sind sie Erscheinungen mit Nachgeschmack, beide sind sie wortgewandt und beide total missverstanden. Man mag glauben, ja fast hoffen, dass sich hinter den Worten dieser zwei Männer ein tieferer Sinn verbirgt. Aber wie auch Bernd Lucke, ist Felix Brummer kein Mann für diese eine “Weltformel”. Sein Rezept ist und bleibt die Ironie. Wenn man jedoch dieses Stilmittel subtrahiert, bleibt da nicht mehr übrig, als ein hässlicher kleiner Lausbub, der eigentlich auch nichts anderes sucht, als ein wenig Anerkennung.

Wobei, einen feinen Unterschied gibt es dann doch noch zwischen diesen beiden Rädelsführern: Lucke hat am Ende des Tages doch noch etwas zu sagen und Brummers Plattitüden werden nie mehr sein werden als mitgröltaugliche Saufparolen für den trinkfreudigen Kleinstadthipster.

 

Weiche, elender Truchsess!

Ja, Songs wie “Unsere Fans” sind frech, intelligent und werden jede Festivalcrowd von hinten nehmen. Stimmt, Tracks wie “Zwei Dosen Sprite” sind reflektiert und selbstkritisch. Ja, Kraftklub sind der Live-Act, den Deutschland braucht, aber nicht verdient hat. Doch genau hier liegt das Problem: so schnell wie Kraftklub ihren Thron bestiegen haben, so schnell werden auch die nächsten Meuchelmörder an eben jenem kratzen. Insbesondere wenn man Angriffspunkte wie “Mein Rad” oder “Schöner Tag” featuring Casper kredenzt, die klingen als hätte ein 10-jähriger Zeuge Jehova versucht ein bisschen “kritischen” Punk zu machen. Oder mit anderen Worten: Hooklines und Texte sind Fremdschämen pur! Beweise? Mögen diese Euch die Synapsen schmelzen:

 

“Mein Rad, mein Rad, mein Rad ist schon lange nicht mehr da / Mein Rad, mein Rad, mein Rad ist jetzt woanders / Mein Rad ist weg, mein Rad ist nicht mehr hier / Mein Rad ist nicht mehr da, es ist bei dir-ahhhh” (Rainer Maria Rilke. Nicht!)

 

Die deutsche Popwelt ist ein bisschen wie das blutige “Hin und Her” bei Game of Thrones. Zu viele Persönlichkeiten, zu viele Eitelkeiten und die Thronhalle ist nicht groß genug für mehr als einen König. Ich prophezeie: diese Platte wird einschlagen wie das Streitschwert auf Eddard Starks Kopf. Danach ist Schluss mit der Regentschaft einer Band, die eigentlich für Höheres bestimmt gewesen wäre. Wäre da nicht dieser verdammte „Durst“!

“P.S. Prost Mahlzeit!”