Oasis - What's The Story Morning Glory? (Remastered)

[dropcap size=big]M[/dropcap]it Morgenlatten kennt man sich als Teenager ja bestens aus. Als am 29. September 1995 die zweite Oasis-Platte „(What’s The Story) Morning Glory?“ erschien, hätten Liam und Noel einfach auch einen Blick in mein Kinderzimmer in elterlichen Haus werfen können und ich hätte ihnen mal all ihre Fragen bezüglich der fragwürdigen „morning glory“ beantwortet. Als Arztsohn ist man da ja nicht so. Ist lange her mittlerweile, irgendwie erschreckend lange, wenn man bedenkt, dass sich das Ausgangsproblem bis heute nicht gelegt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und noch etwas hat sich bei mir nicht gelegt: Meine Liebe zu Oasis. Rein musikalisch natürlich, die Typen dahinter sind ja in etwa so liebenswert wie ein Kim Jong-un in der Geisterbahn. Dass dieser feiste Kinderschreck aus Nordkoreas Ödland tatsächlich jünger ist als ich, erstaunt mich immer wieder auf’s Neue. Na, Kim, auch Probleme mit der Morgenlatte? Oder ist genau das das Problem, das du mit Atomwaffen zu kompensieren versuchst? Armer dicker Asiate.

 

Prügelt Dieter Bohlen aus dem Studio!

Aber obwohl Liam und Noel die größten Arschlöcher seit dem Typen sind, der die Rezeptur von Pepsi verändert hat,  haben sie etwas, das ihnen tatsächlich Narrenfreiheit verleiht: Mehr Talent als die Jurys aller Casting-Shows dieser Welt zusammen. Ja, mehr Talent als gut ist für einen Menschen. Deshalb wird man die beiden auch nie bei einer lächerlich euphemistisch „Talentshow“ genannten Veranstaltung sehen: Sie würden noch vor dem ersten Werbeblock, komplett zugekokst, die unterbelichteten Teilnehmer einfach von der Bühne prügeln und danach mit Stühlen auf Dieter Bohlen oder diesen ekelhaft schmierigen Typen von The BossHoss einschlagen.

Hm, kann es sein, dass Noel und Liam vielleicht die größten Psychos seit Charles Manson, aber trotzdem die verdammt noch mal coolsten Socken der Welt sind? Ich bin noch unentschlossen.

Oasis-Whats -The-Story-Morning-Glory-Review
Liam hat schon lange nicht mehr zur Klampfe gegriffen: fehlende Inspiration oder zu viel gesellschaftliches Engagement?

Talent in derart rauen Mengen geht immer dann schief, wenn man sich zu sehr darauf verlässt. Wenn man sich darauf ausruht, wenn die Hybris einen packt und dir nach der sechsten Line Koks tatsächlich weismacht, du seist Gott. Oder zumindest größer als Jesus. Und wichtiger als die Queen. Eben das passierte den Gallaghers, als das Album „(What’s The Story) Morning Glory?“ rauskam, die Welt ratzfatz von hinten nahm und sich schlanke 22 Millionen Mal verkaufte. Ja, da verliert man schon mal die Bodenhaftung, baut sich, wie der gute Noel, einen Swimming-Pool, obwohl man nicht schwimmen kann, und legt sich einen Fuhrpark protzigster Luxuskarren zu.

Dass Noel nie einen Führerschein hatte, verkommt bei so viel idiotischer Dekadenz fast zur Randnotiz. Wieso sollte er, John Lennons legitimer Nachfolger, eine Fahrprüfung ablegen müssen? Nüchtern war er sowieso nie. Schönes Leben eigentlich. Weiber hatte er auch genug, ohne besonders gut auszusehen. Verdammter Bastard!

 

Oasis werden immer besser sein als Du!

Das Problem an Leuten mit einer derart großen Klappe ist ja immer, dass man sich insgeheim darüber aufregt, eigentlich viel besser zu sein. Tja, bei Noel und Liam ist das eben nicht so. Vielleicht sind sie sonst dumm wie Brot, nein, wahrscheinlich sind sie sonst dumm wie Brot, die nicht mal allein ihre Zähne putzen können. Aber Musik schreiben können sie eben. Besser als ich, besser als du sowieso, und vor allem eben besser als jeder gottverdammte Singer/Songwriter da draußen. „Hello“, „Roll With It“, „Wonderwall“, „Don’t Look Back In Anger“… wer vier Songs dieses Kalibers nacheinander raushaut, ist ein ziemlicher Motherfucker.

Das hier ist der frühzeitige Höhepunkt einer überlebensgroßen Band, ein Album, das sie unsterblich machte und ihnen zugleich das Genick brach. Britpop klang in den Neunzigern nie besser, Oasis spielten nie selbstvergessener, die Stimmung des Landes wurde seit den Beatles tatsächlich nie besser auf den Punkt gebracht. Und jetzt für alle noch mal zum Mitschreiben: Jeder, der Oasis nicht gut findet, hat nicht verstanden, worum es bei Musik geht. Oder hat Komplexe. Oder ist strohdumm. Oder vom Land.

What's The Story Morning Glory?
Werden ihrer heiligen Kuh Oasis eh wieder die Bude einrennen: die gehorsamen Fans.

Dass ziemlich genau 19 Jahre später eine remasterte Edition des Albums erscheinen muss, ist natürlich ein riesiger Haufen geldgieriger Scheiße. Die neu gemasterte Version klingt keinen Deut besser als die alte, außer auf Vinyl hört man eh keinen Unterschied heraus, und auch die ach so dollen Bonus-Songs sind ein weiterer Beweis dafür, dass Majorlabels der Teufel sind. Ein paar Live-Songs, die weit von der Qualität der offiziellen Live-Platten entfernt sind, Demos, die eben aus gutem Grund Demos sind, und derlei unnötiger Schmonzes mehr.

Oasis haben da auch keinen Bock drauf. „Don’t buy it. Let it be“, schimpfte Liam ganz John-Lennon-like auf Twitter. Und Liam gehorcht man besser. Sonst stößt einem noch irgendwas aus dieser illustren und wahnsinnig unterhaltsamen Liste zu:

 

  • Verhaftung auf Fähre während Überfahrt nach Holland
  • Schlägerei mit Bruder Noel
  • Tätlichkeit gegenüber eigenem Schlagzeuger
  • Q Awards 1996: Verhaftung wegen Kokainbesitzes
  • Tätlichkeit gegenüber Fahrradfahrer
  • Lebenslanges Flugverbot bei Cathay Pacific
  • Angriff auf Fan in Australien
  • Angriff auf Journalisten
  • Die Fehde mit Robbie Williams
  • Lebenslanges Flugverbot bei British Airways
  • Schlägerei in Londoner Bar
  • Schlägerei in Münchner Hotel
  • Obszönitäten im Frühstücksradio
  • Tätlichkeit gegen Fotografen

 

Meine Lieblinge sind ja seine Feuerlöscherattacke auf Michael Hutchence von INXS oder sein lebenslanges Flugverbot bei British Airways. Classic!

 

P.S. Oasis, spielt entweder noch mal ein Konzert in meinem Vorgarten oder unterbindet endlich diese Fanverarsche!

Bilder: KCNA